Das Nichtbinär-Wiki
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Mina
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Re: Das Nichtbinär-Wiki

Post 16 im Thema

Beitrag von Mina » Sa 10. Mär 2018, 08:31

Sasha hat geschrieben:
Fr 9. Mär 2018, 18:00
Der Unfug mit diesen neuen Begrifflichkeiten und Ausfomulierungen unendlicher Varianten schreit m.E. zum Himmel. Herr, laß Hirn regnen...
An der Stelle sprechen wir also über konstruktive Kritik? Nun, damit kann ich umgehen.

Womit ich aber große Schwierigkeiten habe, das es Menschen gibt welche sich einsetzen und sich Gedanken machen wie es gelingen kann, viele andere Menschen unter einen Hut zu bekommen, selbe aber auf den Betonblock der gesellschaftlichen Weiterentwicklung stossen.

Angenommen, es regnet also Hirn vom Himmel und alle sind tatsächlich über Nacht ganz schlau. Was wäre die Konsequenz? Aktienmärkte bleiben stehen, Forschungsinstitute versinken im Erdreich und die gesamte globale Entwicklung bleibt stehen bei Stunde 00:00.
Eine Entwicklung nach vorne muß immer kanalisiert werden. Eine solo-dominante Weiterentwicklung wäre: Du darfst, Du nicht. Jene_R schon, Jene_R nicht. Also Alle oder keiner, doch vielleicht einzelne? Oder ist das Leben envoirmental betrachtet eine "Einspurstrecke"?

Viele Menschen möchten ihre Persönlichkeit leben, sie erleben und ebenso ein Anrecht auf Sprache haben und aber vor allem dem sprachlichen Umgang in sich selbst fühlen. Möglicherweise bliebe zukünftig nur der Weg einer genderneutralen Sprache. Ah, guter Vergleich.

Frage: Wären Unisextoiletten ok? Die Mehrheit der Gesellschaft ist zerrissen.
Antwort: Es gibt in Deutschland bereits mehr Unisextoiletten als öffentlich getrennte - Bei uns allen Zuhause!

So what, Sprache findet in unseren Köpfen statt. Und hat starke Bezüge zu unserer eigenen Identität. Wer das Recht, was sich selbst zugeschrieben wird, nicht bereit ist zu teilen, braucht auch nicht für seine eigene Akzeptanz kämpfen. Das macht keinen Sinn. Mit mehr oder weniger Hirn - spielt leider keine Rolle. )))(:

Mina
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Sasha
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Re: Das Nichtbinär-Wiki

Post 17 im Thema

Beitrag von Sasha » Sa 10. Mär 2018, 12:48

Mina hat geschrieben:
Sa 10. Mär 2018, 08:31

Womit ich aber große Schwierigkeiten habe, das es Menschen gibt welche sich einsetzen und sich Gedanken machen wie es gelingen kann, viele andere Menschen unter einen Hut zu bekommen, selbe aber auf den Betonblock der gesellschaftlichen Weiterentwicklung stossen.
Hallo Mina,

ich bin bei dieser Aussage ganz bei Dir, und ebenfalls der Meinung, daß die unser Anliegen betreffenden Sprachelemente schnellstmöglich zur allgemeinen Selbstverständlichkeit gehören müssen.

Das Problem, das ich aber dabei sehe, sind Begrifflichkeiten wie

din Studentnin
meinin bestin Freundnin
einin gutin Lesernin

mei_ne bes_ter Freun_din
mei*ne bes*ter Freun*din
mei:ne bes:ter Freun:din

mei_ne best_er Freundi_n
mei*ne best*er Freundi*n
mei:ne best:er Freundi:n

Quelle: https://nibi.space/geschlechtsneutrale_sprache


Für mich sind Bemühungen, die Sprache derart zu brechen, akademischer Humbug, weil es a) den Betroffenen nichts nützt und b) die Sprache zu einem unbrauchbaren Werkzeug verkommen läßt. Aber typisch deutsch: ja nicht das Problem pragmatisch lösen, sondern Arbeitskreise gründen, dilettantische Ergebnisse mit Staatsgeldern produzieren lassen und mit immer neuen Verordnungen und nachgeschalteten Ausnahmen alles dermassen verkomplizieren,daß niemand, also wirklich niemand mehr durchblickt und die große Masse der Menschen abgestoßen wird.

Beispiele für verkorkste Projekte: Rechtschreibreform, Bildungssystem, Steuersystem und und und.

LG Sasha
Ich bin wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich (K. Adenauer)
Eigentlich bin ich ganz anders, doch ich komme viel zu selten dazu (Ö. von Horváth)
Das Glück besteht darin, zu leben wie alle Welt und doch anders zu sein (S. de Beauvoir)

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Re: Das Nichtbinär-Wiki

Post 18 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah » Sa 10. Mär 2018, 13:56

Huhu,

Na, da lobe ich mir doch die Sprache, wo zwischen Männlein und Weiblein nicht grammatisch unterschieden wird :)

VlG
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Mina
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Re: Das Nichtbinär-Wiki

Post 19 im Thema

Beitrag von Mina » Sa 10. Mär 2018, 14:00

Sasha hat geschrieben:
Sa 10. Mär 2018, 12:48
Beispiele für verkorkste Projekte: Rechtschreibreform, Bildungssystem, Steuersystem und und und.
Schönes Stichwort. Ich bin ganz nebenbei schon auf die Neuauflage des TSG sehr gespannt. Vor allem was in wiefern mit einfließt oder auch weg fällt. Denn eines ist klar. Ein neues Gesetz wird zu einer Mehrheit von "nicht Betroffenen" beschlossen.
Da fehlt es dann einfach an empathischen Einflüssen, befürchte ich.

Dennoch finde ich Vorschläge (wie von Dir zitiert) wichtig. Und noch wichtiger das es maximal laut geschieht. Laut in der Form, das es wirklich ein deutliches Signal sendet: es besteht Handlungsbedarf.
Wie letzendlich eine Verbesserung der Situation für uns Enbys und auch alle Anderen aussieht und wie es für Amtsprozesse gelößt wird (Papiere, Pronomen etc.pp) sei erstmal dahin gestellt. Fakt ist aber das es sich lohnt zu engagieren.

Vorschläge, Möglichkeiten und für sich reflektierte Umstände hinsichtlich des Sprachgebrauches, ein absolutes Muss. Denn nur so wird es leicht sein Wege zu zeigen und vor allem zu argumentieren. Wenn es denn soweit ist.

LG
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Re: Das Nichtbinär-Wiki

Post 20 im Thema

Beitrag von Jaddy » Sa 10. Mär 2018, 14:38

Sasha hat geschrieben:
Sa 10. Mär 2018, 12:48
Mina hat geschrieben:
Sa 10. Mär 2018, 08:31
Womit ich aber große Schwierigkeiten habe, das es Menschen gibt welche sich einsetzen und sich Gedanken machen wie es gelingen kann, viele andere Menschen unter einen Hut zu bekommen, selbe aber auf den Betonblock der gesellschaftlichen Weiterentwicklung stossen.
Hallo Mina,

ich bin bei dieser Aussage ganz bei Dir, und ebenfalls der Meinung, daß die unser Anliegen betreffenden Sprachelemente schnellstmöglich zur allgemeinen Selbstverständlichkeit gehören müssen.

Das Problem, das ich aber dabei sehe, sind Begrifflichkeiten wie

Für mich sind Bemühungen, die Sprache derart zu brechen, akademischer Humbug, weil es a) den Betroffenen nichts nützt und b) die Sprache zu einem unbrauchbaren Werkzeug verkommen läßt. Aber typisch deutsch: ja nicht das Problem pragmatisch lösen, sondern Arbeitskreise gründen, dilettantische Ergebnisse mit Staatsgeldern produzieren lassen und mit immer neuen Verordnungen und nachgeschalteten Ausnahmen alles dermassen verkomplizieren,daß niemand, also wirklich niemand mehr durchblickt und die große Masse der Menschen abgestoßen wird.
Ich war ja drauf und dran, eine einfühlsame, sachliche Reaktion zu schreiben, aber sorry, gelingt bei der Vorlage nicht.

Mal konkret. Das Nibi-Wiki ist eine freie Wissenssammlung. Die Sprachseite sammelt Vorschläge und Ideen, die andere Menschen mal irgendwo überlegt und aufgeschrieben haben. DAMIT WIR DAMIT SPIELEN, AUSPROBIEREN und GUTE NEUE LÖSUNGEN FINDEN KÖNNEN. Nichts davon wird irgendwem aufgedrückt.

Zu Deinen Argumenten: a) ich fühle mich betroffen und mir hilft es. Ich fühle es jedes Mal mehr in der Magengrube, wenn jemand "Herr" zu mir sagt (oder "Frau"), oder mich mit "er" (oder "sie") bezeichnet. Noch habe ich keine schöne Alternative, die ich wenigstens anbieten könnte. Aber ab und zu, unter gleichfalls Betroffenen, wo wir solche Sprache experimentell benutzen, fühle ich mich wohl.

b) Sprache ist nicht nur _ein_ Werkzeug. Wie haben nicht bloss nen Bohrhammer, sondern ganze Baumärkte voll mit unterschiedlichsten Werkzeugen für die unterschiedlichsten Aufgaben. Und ein Mikrotom oder Röntgenlaser wirst du nicht mal dort finden. Heisst: Es gibt viele, kontextbezogene Sub-Sprachen allein im Deutschen. Schau mal, für wie viele Begriffe es allein bei Wiki Ambiguitäts-Seiten gibt. Fachsprachen für tausende Hobbys und Gebiete mit teilweise gleichen Begriffen. Jedes Jahr kommen hunderte hinzu und andere verschwinden in der Versenkung, ohne dass die Welt untergeht. Und in Laboren für genderdiverse Sprache reifen in Petrischalen ein paar neue Kreuzungen und Züchtungen für künftige Anwendungen. Niemand wird gezwungen, da mitzumachen.

Also nochmal: Hier sind keine Staatsgelder, keine Arbeitskreise, keine Verordnungen zu finden. Nichts davon wird irgendwem von irgendwem aufgezwungen. Verweise auf Steuereformen oder BER könnten vielleicht auf nem Wutbürger-Stammtisch zünden, haben aber nullkommagarnichts mit solchen Sprachexperimenten zu tun.

Eines aber noch. Viele von "uns", das meint sämtliche gender-diversen Menschen, die mit den Cis-Begriffen "Mann" oder "Frau" nicht richtig beschrieben sind, wollen langsam nicht mehr sprachlich untergebuttert werden. "Wir" möchten Pronomen und Formulierungen, die uns als eigenständige Wesen anerkennen. Wir haben bisher noch keine tollen Lösungen, aber wir nehmen auf jeden Fall wahr, ob sich jemand Mühe gibt, wenn er.sie mit oder über uns spricht. Ich persönlich kann mit konstruktiver Kritik an irgendwelchen Ideen gut leben. Aber pauschale Abwertung sämtlicher Ansätze als unnötig erzeugen in mir das Gefühl ausgegrenzt zu werden. Und das ist nicht okay.

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