Die rechtliche Situation von Trans* und intergeschlechtlichen Menschen in Deutschland und Europa“
Die rechtliche Situation von Trans* und intergeschlechtlichen Menschen in Deutschland und Europa“ - # 2

Antworten
ab08
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2158
Registriert: So 12. Feb 2012, 14:43
Geschlecht: Frau (TS bzw. IS)
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Nürnberg
Membersuche/Plz: 90480
Hat sich bedankt: 1986 Mal
Danksagung erhalten: 1154 Mal
Gender:

Re: Die rechtliche Situation von Trans* und intergeschlechtlichen Menschen in Deutschland und Europa“

Post 16 im Thema

Beitrag von ab08 » So 11. Okt 2015, 19:45

Marielle hat geschrieben: Man kann sich durchaus auch anderes vorstellen, wovon man sich frei machen könnte.
Hallo Marielle,

da hast Du völlig Recht, daher eine kleine Präzisierung meines obigen Beitrags. Den Begriff "Emanzipation" sah ich durchaus allgemeiner, eher aus historischer Sicht...
- auch das Abschütteln der Sklaverei
- die Bauernaufstände gegen die Ausbeutung durch Adel und Kirche
waren ja Emanzipationsprozesse.

Dass ich Beispiele aus dem Bereich "Emanzipation der Frau" wählte, liegt daran, dass ich eine Frau bin und aufgrund der besseren Verständlichkeit.
(Im Übrigen betrachte ich auch die "Emanzipation des Mannes" als nicht verwirklicht.) Es geht bei TS / IS ja auch nicht nur um Frauen.
Es geht um Unfreiheit und Fremdbestimmung, die gerade diese Gruppe extrem erleidet und die überwunden werden muss, also um elementare Menschenrechte.
Genau wie bei anderen Emanzipationsprozessen auch. (Farbige haben z.B. heute faktisch in den USA nicht gleiche Rechte, auch wenn es keine Sklaverei mehr gibt etc.)

Liebe Grüße
Andrea
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz

JuliaS
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 264
Registriert: Mo 4. Nov 2013, 21:09
Geschlecht: Frau
Pronomen:
Membersuche/Plz: Mainz
Hat sich bedankt: 27 Mal
Danksagung erhalten: 86 Mal

Re: Die rechtliche Situation von Trans* und intergeschlechtlichen Menschen in Deutschland und Europa“

Post 17 im Thema

Beitrag von JuliaS » So 11. Okt 2015, 20:55

Hallo Marielle,

für mich bedeutet in diesem Zusammenhang Emanzipation das es den Transsexuellen Menschen endlich gelingt sich aus der Fremdbestimmung zu lösen und sie ihre Menschenrechte einfordern. Es muss möglich sein das Transsexualität in der Mitte der Gesellschaft ankommt und nicht mehr mit dem Risiko des sozialen und materiellen Abstieg verknüpft ist.

Gruß

Julia
"Tage wie diese, im hellen Sonnenschein"

Marielle
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 1562
Registriert: Do 11. Aug 2011, 10:52
Geschlecht: Mensch
Pronomen: ikke
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 121 Mal
Danksagung erhalten: 653 Mal

Re: Die rechtliche Situation von Trans* und intergeschlechtlichen Menschen in Deutschland und Europa“

Post 18 im Thema

Beitrag von Marielle » So 11. Okt 2015, 22:39

Guten Abend Andrea, Julia, Guten Abend zusammen,

ich meine jetzt zu verstehen, dass du, Andrea, Emanzipation im eigentlichen Sinn, also im Sinn von 'sich von etwas (von einer Herrschaft /-sstruktur) frei machen' meintest. Dazu gehört selbstverständlich auch die noch andauernde Emanzipation der Frauen vom Patriarchat, aber eben auch andere Befreiungen, wie deine Beispiele zeigen.


Das Stigma derjenigen, die versklavt wurden, war ihre Hautfarbe. Dasjenige der Bauern, die gegen Adel und Kirche aufstanden, ihre sogenannt 'niedere' Abstammung. Jede Herrschaftsstruktur braucht ein Kennzeichen, ein Stigma, das diejenigen kennzeichnet, die unterdrückt, versklavt, herabgewürdigt oder benachteiligt werden.

Wie kommt man aus einer Situation heraus, in der man stigmatisiert, in der man beherrscht wird? Man könnte versuchen, das Stigma loszuwerden. Aber als Unterdrückte_r oder Versklavte_r die eigene Eigenschaft zu ändern, die zum Stigma wurde, ist immer auch ein Verrat an sich selbst. Wahrscheinlich hat es trotzdem eine ganze Menge an Bauern gegeben, die genauso gern selbst Adelige geworden wären, wie als freier Bauer zu leben. Vielleicht haben sich sogar ein paar dunkelhäutige Menschen eine weisse Haut gewünscht. Aber diejenigen, die die jeweiligen Emanzipationskämpfe angetrieben haben, die sie ausgefochten haben, mussten stolz auf ihre Eigenschaft, ihr Stigma, sein, um die notwendigen Kämpfe führen zu können.

Sie mussten stolz darauf sein und trotzdem gegen seine Wirkung kämpfen; für Freiheit, Gleichheit, Brüder- und Schwesterlichkeit. Man kann stolz darauf sein, ein Mann, eine Frau oder nichts von beidem zu sein: Es darf aber nicht darum gehen, ob das Stigma 'Mann' oder 'Frau' oder irgendwie genannt wird. Es geht darum, derjenigen Eigenschaft, die zum Stigma wurde, ihre Wirkmacht zu entziehen, diese Eigenschaft zu entkräften. Wenn nicht mehr wichtig ist, was vorher Stigma war, dann war Emanzipation. Unser Stigma ist das Geschlecht; als soziopraktische Kategorie.


Habt es gut

Marielle


PS @ Julia: Ich wünsche mir, dass du mir glauben kannst, dass es mir um nichts anderes geht, als du (be-)schreibst. Ich streite nicht gegen irgendjemanden hier. Ich streite nur um den Weg, der zu unserem Ziel, unserer Emanzipation, führt.
As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.

ab08
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2158
Registriert: So 12. Feb 2012, 14:43
Geschlecht: Frau (TS bzw. IS)
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Nürnberg
Membersuche/Plz: 90480
Hat sich bedankt: 1986 Mal
Danksagung erhalten: 1154 Mal
Gender:

Re: Die rechtliche Situation von Trans* und intergeschlechtlichen Menschen in Deutschland und Europa“

Post 19 im Thema

Beitrag von ab08 » Mo 12. Okt 2015, 08:10

Marielle hat geschrieben:Wie kommt man aus einer Situation heraus, in der man stigmatisiert, in der man beherrscht wird? Man könnte versuchen, das Stigma loszuwerden. Aber als Unterdrückte_r oder Versklavte_r die eigene Eigenschaft zu ändern, die zum Stigma wurde, ist immer auch ein Verrat an sich selbst. Wahrscheinlich hat es trotzdem eine ganze Menge an Bauern gegeben, die genauso gern selbst Adelige geworden wären, wie als freier Bauer zu leben. Vielleicht haben sich sogar ein paar dunkelhäutige Menschen eine weisse Haut gewünscht. Aber diejenigen, die die jeweiligen Emanzipationskämpfe angetrieben haben, die sie ausgefochten haben, mussten stolz auf ihre Eigenschaft, ihr Stigma, sein, um die notwendigen Kämpfe führen zu können.
Hallo Marielle,

Danke für Deinen interessanten Beitrag. - "Stigma" ist vielleicht ein Teil des Problems. Aber in meinen Augen sicher nicht der Kern.
Im Kern geht es um Anerkennung und Akzeptanz als das, was man ist!
Klartext: Ob sich z.B. eine transsexuelle Frau operieren läßt oder nicht, ist ihre private, ganz persönliche Entscheidung.
Wie diese Entscheidung ausfällt, hängt von vielem ab. Das geht niemand was an! - Diskussionen darüber geschehen aber, das ist das Problem. Das ist übergriffig.
Meine Zwangspensionierung wurde z.B. genau damit begründet (bevorstehende OP) --> Das dies menschenrechtswidrig war, sollte jedem klar sein!


Auch eine emanzipierte Frau will ja kein Mann sein und sicher nicht so gesehen werden...(Simone de Beauvoir hatte einige Liebhaber m & w.)
Auch bei der Emanzipation von TS / IS geht es Anerkennung und Akzeptanz. Also um Normalität, die frei in der Gesellschaft gelebt werden kann.

Ich bin eine Frau, das weiß ich. - Wurde falsch katalogisiert, das störte mich. - Körperliche Details stören mich auch und belasten mich durchaus psychisch.
Daher nutze ich medizinische Möglichkeiten. ABER nicht wegen der Umwelt, oder um anerkannt zu sein, sondern um mich in meinem Körper wohl zu fühlen!
"Stigmatisiert" bin ich dadurch also nicht. Das weise ich, zumindest für mich, klar zurück. Die weiteren Folgerungen (Zum "Stigma stehen", "stolz darauf sein") *) tun mir ziemlich weh und
bzw. zeigen mir, dass die Psyche/ das Denken von transsexuellen/intersexuellen Menschen sich in vielen Teilen so sehr von anderen unterscheiden, dass wir eben häufig nicht verstanden werden.

Eigentlich typisch:
Wie sich Sklaven fühlen, wurde, von ihren Besitzern auch meist nicht verstanden.
Männer verstehen Frauen auch oft nicht (Ich wurde mal ganz lieb gefragt, ob ich einen Schlag auf den Hintern als Kompliment sehen würde...!!)

Liebe Grüße
Andrea

*) Solche Aufforderungen halte ich, ebenso wie die Verengung auf körperliche Unterschiede, die vorhanden sind oder nicht, für höchst problematisch.
Wobei ich von Deiner guten Absicht überzeugt bin, aber Sätze wie "Aber als Unterdrückte_r oder Versklavte_r die eigene Eigenschaft zu ändern, die zum Stigma wurde, ist immer auch ein Verrat an sich selbst" tun mir trotzdem extrem weh, auch wenn ich weiß, das sie fern von meiner Realität sind. Nochmal: Du magst das so sehen. Ich und viele andere TS/IS aber halt nicht.
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen:
Zur "Eigenschaft" TS steh ich, aber der Satz kann auch anders verstanden werden - OP etc. -> dann handelt es sich um besagte Fremdbestimmung...
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz

Marielle
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 1562
Registriert: Do 11. Aug 2011, 10:52
Geschlecht: Mensch
Pronomen: ikke
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 121 Mal
Danksagung erhalten: 653 Mal

Re: Die rechtliche Situation von Trans* und intergeschlechtlichen Menschen in Deutschland und Europa“

Post 20 im Thema

Beitrag von Marielle » Mo 12. Okt 2015, 11:16

Guten Morgen Andrea, Guten Morgen zusammen,

du sagst, ich würde dich nicht verstehen. Du verstehst mich auch nicht; leider. Glaubst du wirklich, ich würde grundsätzlich gegen körperliche Anpassungen, Passing oder gar gegen ein individuelles Geschlechtsverständnis argumentieren, obwohl ich weiss, wie wichtig das ist? Das tut mir weh.

Der von dir rot zitierte Satz "Aber als Unterdrückte_r oder Versklavte_r die eigene Eigenschaft zu ändern, die zum Stigma wurde, ist immer auch ein Verrat an sich selbst" meint nichts anderes, als das es NICHT richtig ist, die wesentlichen eigenen Eigenschaften ändern zu wollen. Nur liest du das fälschlich, als wolle ich sagen: "Bleib bei den dir gegebenen körperlichen Eigenschaften und den darauf basierenden Zuweisungen und sei stolz darauf." ABSOLUT NICHT!. Ich will damit sagen: "Bleib bei deinen eigenen, tief in dir vorhandenen Eigenschaften und sei stolz darauf. Deine körperlichen Eigenschaften sind NICHT deine wesentlichen Eigenschaften. Aber streite dagegen, dass sie dich stigmatisieren."

Es ist doch schlicht nicht wahr, wenn du schreibst du seist nicht stigmatisiert. Das Stigma ist tatsächlich nicht dein heutiger Körper, egal wie er aussieht, es ist auch nicht dein Selbstverständnis und es nicht nicht dein eigenes Geschlecht. Das Stigma das du hast, ist das, was man in deinen Körper bei deiner Geburt hineininterpretiert hat. Hast du das vergessen? Hast du vergessen, wie beschissen es war, als Mann gekennzeichnet zu sein?


Bei der Geburt wird jedem Menschen quasi ein Schild umgehängt, auf dem eine Geschlechtsangabe steht. Die Schilder werden umgehängt, ohne Rücksicht auf die individuellen Eigenschaften, ohne Rücksicht auf das individuelle Geschlecht des neuen Menschen zu nehmen. Und es werden Erwartungen und Ansprüche daran festgemacht, die dieser Mensch lange mit sich herumschleppt. Dieses Schild ist die Basis der Herrschaftsstrukturen, für die Geschlecht zum Stigma gemacht wird.

Wofür ich streite ist, dass die Menschen, die die üble, stigmatisierende Wirkung dieses Schildes kennen müssen (wir), sich dafür einsetzen, dass dieses Schild seine Wirkmacht verliert. Ich glaube, wir dürfen, wir müssen, Stolz auf unser Geschlecht* sein. Und ich glaube, dass wir daraus die verdammte Pflicht haben, gegen die Stigmatisierung durch Geschlechtszuweisungen zu streiten. Dafür bringt es aber nichts, wenn man sich selbst eines der Schilder aus dem Stigmatisierungsregal umhängt und so tut, als wäre alles in Ordnung. Dann hätte man sich, aus meiner Sicht, eine weisse Haut übergezogen und sich selbst und andere verraten.

Es ist richtig und kein Problem, wenn ein Mensch auf sein eigenes Schild selbst 'Frau' schreibt, weil er so empfindet. Wenn dieser Mensch aber so tut, als wäre es völlig OK, auch von allen anderen Menschen zu erwarten, ein Schild zu tragen, auf dem als Geschlechtsangabe entweder Mann oder Frau steht, dann habe ich dafür kaum noch Verständnis. Gar kein Verständnis habe ich dafür, so zu tun, als bedeute das Wort 'Frau' auf dem eigenen Schild dasselbe, wie das Wort auf dem Schild, dass einem Mädchen bei der Geburt umgehängt wurde. Ersteres ist eine selbstbestimmte Aussage, letzteres eine Stigmatisierung; can one see the difference? Auf beiden Schildern steht vermeintlich das gleiche, es sind aber zwei ganz unterschiedliche Wirklichkeiten, die erzeugt werden.

Habt es gut

Marielle


ach, noch was: Dein eigentlich typisch..... ist eine Frechheit. Aber sei's drum.


*) Stolz auf unser eigenes, individuelles Geschlecht, das nur wir selbst für uns benennen können, das kein binäres System ist, aber die Positionen Mann und Frau beinhaltet
As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.

JuliaS
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 264
Registriert: Mo 4. Nov 2013, 21:09
Geschlecht: Frau
Pronomen:
Membersuche/Plz: Mainz
Hat sich bedankt: 27 Mal
Danksagung erhalten: 86 Mal

Re: Die rechtliche Situation von Trans* und intergeschlechtlichen Menschen in Deutschland und Europa“

Post 21 im Thema

Beitrag von JuliaS » Mo 12. Okt 2015, 13:05

Ich habe erst seit einem Jahr Kenntnis meiner Transsexualität. Seit dem lebe ich glücklich und zufrieden mit mir und meiner Umwelt. Dieses lasse ich mir nicht nehmen. Von nichts und niemanden. Ich empfinde mich weder als pervers noch als abartig, geschweige denn als Irrtum/Fehler der Natur. Dies ist genau die Haltung an der es oftmals gebricht. So lange wir uns verbergen und rechtfertigen müssen besteht notwendigster Änderungsbedarf. Wir sind genau so normal wie alle anderen Menschen. Vielmehr können wir sogar stolz darauf sein unser Leben selbst in die Hand genommen und die notwendige Neuausrichtung vorgenommen zu haben. Genau dieses Bewusstsein ist für mich meine ganz persönliche Emanzipation/Selbstfindung/Befreiung.
Auch aus diesem Grund sehe ich Entwicklungen wie die "Demo für alle" in Stuttgart, pars pro toto, mit Sorge. Mein Leben hat mir mehr als oft genug gezeigt wie es sich anfühlt ausgegrenzt zu werden und als Wesen untergeordneter Wertigkeit behandelt zu werden. Nach meinem Dafürhalten wäre die Weigerung sich auf die Eigenschaft TS reduzieren zu lassen schon ein wichtiger Schritt vorwärts.

Eine kämpferisch nachdenkliche

Julia
"Tage wie diese, im hellen Sonnenschein"

LaraC
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 253
Registriert: Di 11. Dez 2012, 18:44
Geschlecht: genderqueer
Pronomen:
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 11 Mal
Danksagung erhalten: 49 Mal
Kontaktdaten:

Re: Die rechtliche Situation von Trans* und intergeschlechtlichen Menschen in Deutschland und Europa“

Post 22 im Thema

Beitrag von LaraC » Mo 12. Okt 2015, 20:42

Marielle hat geschrieben: "Bleib bei deinen eigenen, tief in dir vorhandenen Eigenschaften und sei stolz darauf. Deine körperlichen Eigenschaften sind NICHT deine wesentlichen Eigenschaften. Aber streite dagegen, dass sie dich stigmatisieren."
[...]
Und ich glaube, dass wir daraus die verdammte Pflicht haben, gegen die Stigmatisierung durch Geschlechtszuweisungen zu streiten. Dafür bringt es aber nichts, wenn man sich selbst eines der Schilder aus dem Stigmatisierungsregal umhängt und so tut, als wäre alles in Ordnung.
Danke für diesen Beitrag, Marielle! Das sehe ich genau so.

Darüber hinaus möchte ich betonen, dass du, Andrea, hier Recht hast:
"Auch bei der Emanzipation von TS / IS geht es Anerkennung und Akzeptanz. Also um Normalität, die frei in der Gesellschaft gelebt werden kann."
Es geht nicht um den Körper. Ob körperliche Veränderungen vorgenommen werden, ist die freie Entscheidung jedes einzelnen Menschen. Und man sollte sie nicht vornehmen (müssen), um anderen zu gefallen, sondern weil man es selbst möchte bzw. für wichtig hält. Es geht darum, dass man auf Grund des Körpers in eine Schublade gesteckt wird, in die man nicht gehört. Es geht um Akzeptanz und frei lebbare Normalität.

Um so mehr erschreckt es mich, dass hier einige Personen im Forum Transsexualität zu einem rein körperlichen Problem umdeuten wollen. Damit übernehmen sie unreflektiert die oberflächliche, biologistische "Begründung" der Gesellschaft, unter der sie selbst zu leiden hatten und haben. Denn genau der Fokus auf das Körperliche führte dazu, dass sich Transsexuelle jahrzehntelang einer Zwangs-OP unterziehen mussten und auch heute viele Menschen Transsexuelle nur nach GaOP als "richtige" Frauen oder Männer akzeptieren ("lässt sich zur Frau umoperieren). Mit der unkritischen Übernahme des Biologismus werden die vorhandenen Herrschaftsstrukturen repliziert.

Dabei wäre es, wie Marielle sagt, wichtig, den körperlichen Merkmalen ihre Bedeutung (ihre Wirkmacht) zu nehmen. Erst wenn niemand mehr auf Grund seiner körperlichen Merkmale ungewollt mit irrelevanten Kategorien, Stereotypen und Vorurteilen konfrontiert wird, werden wir alle die von Andrea gewünschte Freiheit und Normalität bekommen.
Blog: http://genderkreativ.wordpress.com/

Rosi_
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 229
Registriert: So 30. Nov 2014, 18:27
Geschlecht: weiblich
Pronomen:
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 22 Mal
Danksagung erhalten: 92 Mal

Re: Die rechtliche Situation von Trans* und intergeschlechtlichen Menschen in Deutschland und Europa“

Post 23 im Thema

Beitrag von Rosi_ » Di 13. Okt 2015, 17:14

Hallo Zusammen,

hier wurden einige Aussagen getroffen zu denen ich gerne anmerken möchte:
Marielle hat geschrieben:.... Ich will damit sagen: "Bleib bei deinen eigenen, tief in dir vorhandenen Eigenschaften und sei stolz darauf. ...." ...
Eine meiner „tief in mir vorhandenen Eigenschaften“ (die ich auch mit einigen anderen Menschen teile) sind meine gegengeschlechtlichen Körpermerkmale.
Darauf bin ich nicht stolz und ich möchte es auch nicht dargestellt sehen, dass ich deshalb „Verrat an mir selbst begehe“. Es ist keine Schande, nicht auf Alles
was einen als Individuum ausmacht stolz zu sein.
Marielle hat geschrieben:.... Das Stigma das du hast, ist das, was man in deinen Körper bei deiner Geburt hineininterpretiert hat. Hast du das vergessen? Hast du vergessen, wie beschissen es war, als Mann gekennzeichnet zu sein?

Bei der Geburt wird jedem Menschen quasi ein Schild umgehängt, auf dem eine Geschlechtsangabe steht. … Dieses Schild ist die Basis der Herrschaftsstrukturen, für die Geschlecht zum Stigma gemacht wird.

…… Dafür bringt es aber nichts, wenn man sich selbst eines der Schilder aus dem Stigmatisierungsregal umhängt und so tut, als wäre alles in Ordnung. Dann hätte man sich, aus meiner Sicht, eine weisse Haut übergezogen und sich selbst und andere verraten.
Für 98% der Menschen ist dieses Schild erstmal kein Problem. Für 0,3% aus den übrigen 2% wäre ein derartiges Schild grundsätzlich auch kein Problem. Kein
Schild gibt es dagegen für die verbleibenden 1,7%, die ja eigentlich beide Schilder bräuchten.

Dabei ist das Geschlecht als solches nicht Grund für eine Stigmatisierung. Denn Männer sind stolz darauf Männer zu sein und Frauen stolz darauf Frauen zu
sein. Genau so bin ich stolz eine Frau zu sein.

Stigmatisiert wird nun meine Aussage, eine Frau mit vermännlichten Körpermerkmalen zu sein. Weil in diese Aussage eine Identitätsstörung hineininterpretiert
wird, die mich negativ besetzt, ausgrenzt und deshalb diskriminiert. Genau an dieser Interpretation und Deutung muss „gearbeitet“ werden und nicht an der
Geschlechtereinteilung. Im Zuge dieser „Arbeit“ ist es ein Ziel, allen Menschen ihre Selbstaussage über ihr Geschlecht als wahr anzuerkennen. Dabei spielt es
keine Rolle ob diese Aussage zu einem eindeutigen Ergebnis „Frau“ oder „Mann“ führt, oder eben auch zu keinem eindeutigen Ergebnis. Menschen die ein
uneindeutiges Geschlecht für sich erklären, sollen dies anerkannt und vermerkt bekommen.

Der Versuch, Geschlechter grundsätzlich abschaffen zu wollen, kann nur in eine Sackgasse führen, eben weil das für 98,3% der Menschen in Ordnung ist ein
Geschlecht zu haben. Wer dann diese 98,3% oder auch nur 0,3% der Menschen bezichtigt, „sich selbst und andere zu verraten“, der hat wahrlich in Sachen
Akzeptanz Nachholbedarf.
Marielle hat geschrieben:…… wir müssen, Stolz auf unser Geschlecht* sein.
*) Stolz auf unser eigenes, individuelles Geschlecht, das nur wir selbst für uns benennen können, das kein binäres System ist, aber die Positionen Mann und Frau beinhaltet
Ich denke doch das sind wir nahezu Alle.
Marielle hat geschrieben:Gar kein Verständnis habe ich dafür, so zu tun, als bedeute das Wort 'Frau' auf dem eigenen Schild dasselbe, wie das Wort auf dem Schild, dass einem Mädchen bei der Geburt umgehängt wurde.
Genau da ist das „Problem“ erfasst, warum die 0,3% der Menschen, sogar auch von den 1,7% der Menschen stigmatisiert werden, obwohl diese eigentlich
sensibler auf den Umstand der geschlechtlichen Selbstbenennung reagieren müssten. Ich vermute den fehlenden „Zugang“ aufgrund der Identitäts-Thematik
dieser Menschen, die sich hauptsächlich an Rollenerwartungen orientiert und sich darüber identifiziert. Tatsächlich nämlich bedeutet das eigene „Schild“
z.B. mit „Frau“ dasselbe, wie das gleiche Wort auf dem einem Mädchen umgehängten „Schild“.

Und genau darauf kann man scheinbar gar nicht oft genug hinweisen. Denn es macht mich schon stinkig, wenn dann transsexuellen Menschen immer wieder
ein "Verrat an der Sache" unterstellt wird, wenn sie genau ein solches eindeutiges Schild für sich beanspruchen. Hier wird der Graben zwischen "Trans*" (Identitäten,
Zwischengeschlecht, Gegengeschlecht) und "transsexuellen Menschen" im Detail sichtbar.
LaraC hat geschrieben:Um so mehr erschreckt es mich, dass hier einige Personen im Forum Transsexualität zu einem rein körperlichen Problem umdeuten wollen.
Transsexualität ist ein rein körperliches Problem. Transsexualität ist kein Identitäts-Problem.

Das Problem besteht darin, dass die Menschen - die „Experten“ - das Geschlecht an den Körpermerkmalen und speziell an den Genitalien festmachen. Daraus
resultieren die Zwangs-OP´s auch bei Intersexuellen Menschen. Weil da „Experten“ (Ärzte) einen in ihren Augen „Fehler“ korrigieren möchten. Es ist die Basis
des Denkansatzes die hier falsch ist. Unverrückbar und richtig ist die „Identität“ (ICH) des Menschen – fehlerhaft ist ggf. der Körper des Menschen und nicht
umgekehrt. Deshalb ist Transsexualität auch nur ein körperliches Problem.

Aus der Sicht von transsexuellen Menschen haben deshalb die körperlichen Merkmale eine besondere Bedeutung und es ist nicht zielführend, diese Bedeutung
für einen Menschen als irrelevant zu erklären.

Es ist aber sicher zielführend, die Selbstaussage eines Menschen bezüglich seines Geschlechts, über die endgültige Zuweisung, aufgrund seiner körperlichen
Merkmale, zu stellen.

Ich glaube aber, Du, LaraC, hattest das eigentlich auch so gemeint ;-)

Grüßle
Rosi
Ich bin zwar "weich", aber darin bin ich "knallhart"

ab08
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2158
Registriert: So 12. Feb 2012, 14:43
Geschlecht: Frau (TS bzw. IS)
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Nürnberg
Membersuche/Plz: 90480
Hat sich bedankt: 1986 Mal
Danksagung erhalten: 1154 Mal
Gender:

Re: Die rechtliche Situation von Trans* und intergeschlechtlichen Menschen in Deutschland und Europa“

Post 24 im Thema

Beitrag von ab08 » Di 13. Okt 2015, 17:27

Hallo Marielle,

zunächst bitte ich um Entschuldigung, dass es länger dauerte. Aber Elternabend, diverse Konferenzen (Berufsverband, Arbeitsstellen...)
die momentan stattfinden & vorbereitet werden müssen, fordern ihren zeitlichen Tribut.

Danke für Deine Antwort, da hab ich Dich wohl missverstanden. Dafür bitte ich herzlich um Entschuldigung.
Allerdings kann ich weiter mit dem Begriff "Stigma" wenig anfangen.
Nach der Lesart wären also Hautfarbe (Skave) und Geschlecht (Frau) ebenfalls Stigmata?

Dass ich bzgl körperlicher Eigenheiten überempfindlich reagiere, (also vielleicht auch dort Andeutungen sehe, wo sie nicht vorhanden sind) hat mindestens bei mir einen historischen Grund:
Bei welchem normalen Mann bzw. bei welcher normalen Frau werden intime Details über die Beschaffenheit des Unterkörpers in offiziellen Gesprächen und sogar in offiziellen Dokumenten thematisiert??? - Natürlich rechtwidrig, aber rechtlich dagegen vorgehen und es noch öffentlicher machen, wollte ich damals wirklich nicht. Und: Es ist eine Tatsache, dass transsexuelle/intersexuelle Menschen dieses Verhalten, ebenso wie sexuelle Übergriffe häufig erdulden müssen.

Liebe Grüße
Andrea
Zuletzt geändert von ab08 am Di 13. Okt 2015, 17:30, insgesamt 1-mal geändert.
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz

Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 13332
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: InterS
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Membersuche/Plz: 24977
Hat sich bedankt: 651 Mal
Danksagung erhalten: 4700 Mal
Gender:

Re: Die rechtliche Situation von Trans* und intergeschlechtlichen Menschen in Deutschland und Europa“

Post 25 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Di 13. Okt 2015, 17:29

Moin,
Transsexualität ist ein rein körperliches Problem.
Dann zeige mir doch bitte, wo dieses "rein körperliche Problem liegt". Wie kann ich es sehen?
Ich habe z.B. ein körperliches Problem mit meinem dünnen Haar. Das kann ich sehen, wenn ich in den Spiegel gucke.
Trotzdem ist es kein "rein körperliches Problem"; denn eigentlich fühle ich mich nicht gut damit; es ist also auch noch ein Identitätsproblem.

Gruß
Anne-Mette

ab08
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2158
Registriert: So 12. Feb 2012, 14:43
Geschlecht: Frau (TS bzw. IS)
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Nürnberg
Membersuche/Plz: 90480
Hat sich bedankt: 1986 Mal
Danksagung erhalten: 1154 Mal
Gender:

Re: Die rechtliche Situation von Trans* und intergeschlechtlichen Menschen in Deutschland und Europa“

Post 26 im Thema

Beitrag von ab08 » Di 13. Okt 2015, 17:36

Hallo Anne-Mette,

bin ja in der Kinder & Jugendpsychiatrie tätig, dort arbeiten Psychiater und Mediziner, die sich um den Körper kümmern,in der Regel im Team.
Insbesondere in der "Psychosomatik" einer psychosomatischen Abteilung. Körper und Psyche lassen sich halt nicht trennen. :wink:

Liebe Grüße
Andrea

Nachtrag:
Natürlich kann TS/IS zu psychischen Problemen führen (Psychosomatik).
Es handelt sich aber nicht um ein Identitätsproblem, so sehen es übrigens auch meine Kollegen in der Psychiatrie.
(TS hat normalerweise nix mit Schizophrenie, Psychose etc. zu tun.)

Glücklicherweise bin ich psychisch sehr stabil und war es immer, sonst hätte ich wahrscheinlich das Theater nicht durchgestanden.
Wenn ich heute vor Schülern /Eltern / Kollegen stehe, bin ich authentisch. TS ist kein Geheimnis, denn bisweilen unterrichtete ich früher bereits die Eltern meiner Schüler.... :wink:
Früher versteckte ich meine wahre Identität ("Spielte den Mann") -> Das war sicher unehrlich, aber da hatte ich auch kein psychisches Problem.
Für mich, da psychisch stabil und in der Hinsicht nie krank, ist TS im Grunde wirklich ein rein körperliches Problem.
Konflikte nehm ich an, aber andere, die empfindlicher sind, könnte da durchaus depressiv werden.
Erkrankungen und Frühpensionierungen sind in meinem Beruf häufig. "Kinder sind laut!" - "Machen immer die gleichen Fehler" wird oft als Grund angegeben.
Ich freu mich einfach, dass die Kinder da sind und dass der Unterricht für mich nie langweilig wird und wir gemeinsam etwas schaffen können.
Wenn Kinder Blödsinn machen, zeigt das Phantasie, das freut mich ---> Aber Vorsicht: Ich hab auch viel Phantasie und so lernen sie trotzdem was und ev. mehr. :wink:
Zuletzt geändert von ab08 am Di 13. Okt 2015, 18:18, insgesamt 10-mal geändert.
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz

Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 13332
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: InterS
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Membersuche/Plz: 24977
Hat sich bedankt: 651 Mal
Danksagung erhalten: 4700 Mal
Gender:

Re: Die rechtliche Situation von Trans* und intergeschlechtlichen Menschen in Deutschland und Europa“

Post 27 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Di 13. Okt 2015, 17:43

Guten Abend liebe Andrea,

Du warst eigentlich nicht gemeint, aber trotzdem danke ich Dir für die Antwort, die sich mit den Informationen deckt, die ich im Laufe der letzten 8 jahre erworben habe.
Dabei habe ich viele Gespräche mit transsexuellen Menschen geführt, Bücher gelesen, an Fortbildungsveranstaltungen teilgenommen...

Die Frage ist für mich nur, WARUM dieses "rein körperliche" so vehement verteidigt wird.

Herzliche Grüße
Anne-Mette

ab08
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2158
Registriert: So 12. Feb 2012, 14:43
Geschlecht: Frau (TS bzw. IS)
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Nürnberg
Membersuche/Plz: 90480
Hat sich bedankt: 1986 Mal
Danksagung erhalten: 1154 Mal
Gender:

Re: Die rechtliche Situation von Trans* und intergeschlechtlichen Menschen in Deutschland und Europa“

Post 28 im Thema

Beitrag von ab08 » Di 13. Okt 2015, 18:05

Anne-Mette hat geschrieben:Die Frage ist für mich nur, WARUM dieses "rein körperliche" so vehement verteidigt wird.
Liebe Anne-Mette,

das liegt daran, dass eine gewisse, sehr lautstarke Psycho-Lobby hier Begriffe eingeführt hat, die den wahren Kern verschleiern.
Deswegen ist die Gegenwehr durch Dr.Haupt http://www.trans-health.info/ und von ATME etc. teilweise so aggressiv.

Im Prinzip ähnlich bei Intersexuellen: http://blog.zwischengeschlecht.info/
Auch dort geht es darum, Ideologien, die teilweise bis ins 3.Reich zurückreichen, offenzulegen /bloßzustellen.

Liebe Grüße
Andrea

P.S. Aber keine Sorge: Der Nebel lichtet sich. Im beruflichen Umfeld treffe ich immer mehr Menschen, die ganz gut informiert sind.
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz

Rosi_
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 229
Registriert: So 30. Nov 2014, 18:27
Geschlecht: weiblich
Pronomen:
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 22 Mal
Danksagung erhalten: 92 Mal

Re: Die rechtliche Situation von Trans* und intergeschlechtlichen Menschen in Deutschland und Europa“

Post 29 im Thema

Beitrag von Rosi_ » Di 13. Okt 2015, 18:24

Anne-Mette hat geschrieben:......
Die Frage ist für mich nur, WARUM dieses "rein körperliche" so vehement verteidigt wird.
Hallo Anne-Mette,

die Betrachtungsweise als "rein körperliches Thema" beschreibt Transsexualität. Es geht dabei weniger irgendetwas zu "verteidigen",
sondern viel mehr darum, das richtige Verständnis dafür zu fördern.
Anne-Mette hat geschrieben:Dann zeige mir doch bitte, wo dieses "rein körperliche Problem liegt". Wie kann ich es sehen?
Dieses Problem "siehst" Du genau in dem Moment, wenn ein Mensch, der in seiner äußeren Erscheinung z.B. als Mann erscheint
erklärt, dass er eine Frau ist. Und wenn genau das im Bewusstsein aller Menschen angekommen und anerkannt ist, wird sich
niemand mehr fragen oder gutachterlich bestätigen lassen müssen, warum dieser Mensch medizinische Hilfe und unbürokratisches
Handeln benötigt, um in seinem Geschlecht gesund leben zu können.

Weil es hier für sich um etwas ganz anderes geht, als in einer Identitäts-Rolle zu leben die man als richtig "empfindet" und
deshalb ein "Wunschgeschlecht" anstrebt, weil man keinen "Identitäts-Wechsel" vollzieht oder sich einer "abweichenden
Identität bewusst ist", weil man ist was man ist und nicht ist mit was man sich identifiziert, weil man ein Geschlecht hat
und weil man Geschlecht nicht wechseln oder ändern kann.

Andrea hat das ja auch sehr schön angesprochen.

Grüßle
Rosi
Ich bin zwar "weich", aber darin bin ich "knallhart"

Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 13332
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: InterS
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Membersuche/Plz: 24977
Hat sich bedankt: 651 Mal
Danksagung erhalten: 4700 Mal
Gender:

Re: Die rechtliche Situation von Trans* und intergeschlechtlichen Menschen in Deutschland und Europa“

Post 30 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Di 13. Okt 2015, 18:43

Moin,
Transsexualität ist ein rein körperliches Problem.
Das kann es nicht sein; denn von irgendwoher wird ja der "Antrieb" kommen, dieses "körperliche Problem" zu beseitigen.

Gruß
Anne-Mette

Antworten

Zurück zu „Rechtliches“