Ein Wunschkonzert...?!
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Anja
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Ein Wunschkonzert...?!

Post 1 im Thema

Beitrag von Anja » Di 30. Jan 2018, 11:18

Moinsen,

beim Stöbern in diesem Forum lese ich immer wieder Phrasen wie: Ich würd ja gerne mehr [...], aber ich kann ja nicht weil sonst (Partnerin, Nachbarn, Kinder, Eltern usw.) ein Problem damit hätten oder man sogar den Job verlieren könnte.
Des weiteren lese ich von Ängsten überhaupt so die Wohnung zu verlassen, aus Angst sich Blicken, Spott und Schlimmerem auszusetzen. Noch ein weiterer Grund, von dem man häufiger liest, ist das Passing. Bin schon zu alt, bei mir lohnt sich das eh nicht mehr, den Mann wird man immer sehen usw.
Zusammengefasst fahren also ziemlich viele von uns mit angezogener Handbremse.

Nun würde mich mal interessieren, wie würdet ihr euch wünschen zu leben, wenn äußere Belange keine Rolle spielen würden? Wenn ihr sein könntet, wie ihr wolltet?

Ich mache mal den Anfang.
Ich lebe meinen Traum. Ich bin seit fast 2 Jahren in Hormontherapie und es zeigen sich erwartete und gewünschte Wirkungen. Ich bin inzwischen auch rechtlich eine Frau. Meine Frau, Kinder, Eltern, Schwiegereltern, Kollegen, Nachbarn, Freunde... alle sind in der neuen Situation angekommen. Ich mache den gleichen Job wie vor meinem Outing.
Das Einzige, wo ich (von mir selbst) ausgebremst werde (um bei obigem Bild zu bleiben) ist eine GaOP. Ich hätte schon gerne eine Vagina, nur hab ich einfach zu viel Angst und Respekt vor dieser OP. Immer wieder lese ich davon, wie glücklich manch eine nach ihrer OP darüber ist, diesen Schritt gewagt zu haben. Aber 100 Berichte darüber zu lesen, wie gut die OP verlaufen ist, ist trotzdem keine Garantie, das bei mir nicht doch etwas schief geht. Und bisher war ich noch in keiner Situation, wo mich das Ding wirklich gestört hat. Im Schwimmbad oder am Strand, selbst in solchen Grenzbereichen hatte ich noch keine Probleme...Aber vielleicht wird ja die Sehnsucht nach einem weiblichen Schoß ja irgendwann die Angst überwiegen...

Nun bin ich mal gespannt, wie es bei euch aussehen würde, wäre das Leben ein Wunschkonzert! 🙃

Grüße
die Anja
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Re: Ein Wunschkonzert...?!

Post 2 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa » Di 30. Jan 2018, 11:33

Moin Anja,

...da hast du schon richtig gelesen, dass nicht alle Betroffenen die Freiheit aus was auch für unterschiedlichen Gründen nicht immer voll haben, so leben zu können wie sie sich es eigentlich wünschen. Da mache ich, wie du vermutlich aus meinen vielen Beiträgen zu der Thematik erahnen kannst, keine Ausnahme. Auch bei mir ist das Leben eben kein Wunschkonzert, denn es gibt Randbedingungen, die zu beachten und zu berücksichtigen sind.
Was soll ich sagen, ich habe einen DGTI-Ausweis und würde den ganzen Weg gehen einschließlich GAOP. Es geht aber nicht alles im Leben. Meine Kinder und meine Frau nennen mich mit meinem gesetzlichen Namen, bei der Arbeit sieht das ganz anders aus. Ich habe das Glück, dass Ulli für ein Kurzname für alle Varianten sexueller Orientierung mal formal gesprochen ist und von den meisten benutzt wird. Mein Doppel-Name ist scheinbar zu lang.

LG, Ulrike-Marisa :wink:

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Re: Ein Wunschkonzert...?!

Post 3 im Thema

Beitrag von Jenina » Di 30. Jan 2018, 12:27

Liebe Anja,

wenn es das denn nur noch gäbe, ein Wunschkonzert, aber im heutigen Radio ist das lange vorbei. Aber auch als es das noch gab hat man keineswegs immer genau das gespielt bekommen was man sich gewünscht hatte. Wünschen ist das eine, die Wünsche wahr zu machen liegt eben auch am Musikarchiv und dem Musikredakteur.

Und so ist es auch im Leben. Man ist immer von Randbedingungen abhängig die man beachten muss, denn auf jede Veränderung erfolgt auch eine Reaktion der Umwelt. Und darauf muss man gefasst sein, das hat dann schon nichts mehr mit wünschen zu tun sondern ist dann bewusste Planung einer Veränderung. Wünschen kann man sich viel, ohne Arbeit daran ändert sich gar nichts.

Außerdem ist das Leben immer ein Kompromiss, denn man ist nun mal nicht alleine auf der Welt. Auch da kann ich mir vieles wünschen, die Erfüllung liegt aber nicht allein in meiner Hand, sondern vor allem in der Hand dessen, der mit mir einen Kompromiss eingeht. Auch das ist wieder Arbeit.

Also was solls, sich ein Wolkenkuksheim aus Wünschen zu basteln. Diese Energie sollte man lieber ich die angesprochene Arbeit stecken. Nur dadurch kann sich eine Situation so ändern dass man selber und alle betroffenen Mitmenschen eine immer zufriedeneres Leben haben.

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Re: Ein Wunschkonzert...?!

Post 4 im Thema

Beitrag von Anja » Di 30. Jan 2018, 12:42

Hallo Jenina,

da stimme ich dir zu. Mir ist schon klar, das das Leben kein Wunschkonzert ist. Darum gings mir nicht. Ich wollte wissen, was ihr ändert würdet, wenn es so wäre?
Wenn man die Randbedingen außen vor lassen würde? Was würdest du tun, wie würdest du leben, wenn keine Randbedingungen existierten?
Wie die meisten Forumsmitglieder ihre weibliche Seite ausleben, weiß ich aus diversen Beiträgen. Mich interessiert, wie sie ihr Leben leben würden, wären sich durch die "Randbedigungen" nicht ausgebremst...

Grüße
die Anja
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Re: Ein Wunschkonzert...?!

Post 5 im Thema

Beitrag von sbsr » Di 30. Jan 2018, 13:08

Dazu ein ganz aktuelles Beispiel. Als ich mit meiner Frau letzten Samstag Einkaufen war, kamen wir an einem Bekleidungsgeschäft vorbei. Es gab wunderschöne Jacken, rosa-violett, weiß mit blau/rotem Blumenmuster, oder in glänzendem beige. Natürlich alles für Damen. Nach den vielen Bemerkungen, die ich mir von meiner Frau zu dem Thema bereits eingehandelt habe, habe ich einfach gar nichts gesagt. Innerlich hätte es mich fast zerfetzt.

In meiner Wunsch Welt hätte ich mir eine Jacke gekauft, ohne Kommentare wie "wirst Du jetzt schwul", "wie sieht das aus, wenn du wie ein Mädchen rum läufst", "bist du wirklich ein Mann", und derer viele mehr wie in solchen Situationen üblich.

In meiner Wunsch Welt bräuchte ich nicht ständig darauf achten, dass der Spitzensaum meines Bodys nicht unterm Pullover hervor schaut, weil die Kollegen dann fragend darauf starren.
In meiner Wunsch Welt würden die Kollegen nicht tuscheln, ob meine Schuhe Keilabsätze haben oder nicht.

Das würde mir schon reichen. Wenn man die Welt noch perfekter spinnt, könnte ich in einem schönen Kleid im Meeting mit Kunden sitzen. Mit einem noch schöneren Kleid zu einem Tanz Ball gehen.

Ich möchte keine Frau sein, auch nicht als Frau leben oder wahrgenommen werden. Mich bunt aus beiden Abteilungen zu bedienen, anziehen was mir gefällt und passt, das wäre mein Wunsch.
LG, Svenja

Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

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Re: Ein Wunschkonzert...?!

Post 6 im Thema

Beitrag von Vincent » Di 30. Jan 2018, 13:09

Hallo Anja,
Jahrzehnte hat es gedauert, bis ich mir die Freiheit genommen habe, mich halbwegs auch nach außen so zu geben, wie ich bin, zumindest bis zum heutigen Stand.

Gäbe es kein potentiell verständnisloses gesellschaftliches Umfeld, nicht immer wieder unerwünscht Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, sprich, gäbe es uneingeschränkte Akzeptanz für Aussehen und Kleidung eines Menschen, würde ich vermutlich nicht mehr viel ändern zum derzeitigen Zustand.
Ein bisschen kreativer und mutiger wäre ich manchmal noch unterwegs, aber das wäre alles.

Was sich aber deutlich verändern würde, wäre die permanenten Selbstzweifel, die gelegentliche Anspannung und vorsorgliche Abwehrhaltung wie Zweifel an der Offenheit und Ehrlichkeit der Mitmenschen.

Andererseits habe ich gerade in den letzten 3 Jahren in denen ich immer selbstbewusster geworden bin, nie, wirklich nie, negative Auswirkungen erfahren.
LG

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Re: Ein Wunschkonzert...?!

Post 7 im Thema

Beitrag von Jenina » Di 30. Jan 2018, 13:27

Anja,

schon klar... Nur ist das eine Frage die man nicht beantworten kann.

Denn das läuft darauf hinaus dass man seine eigene Vorstellung vom Leben als ein genaue Abbildung der eigenen Identität leben würde. Ein "ich bin" das völlig unabhängig von einer Umwelt existieren würde? So etwas gibt es aber nicht. Der Mensch ist ein gesellschaftliches Wesen und ohne Interaktion mit seiner Umwelt, insbesondere anderen Menschen nicht denkbar. Eine Identität ist immer auch eine Reflexion der Umwelt auf sich selbst, also auch deren Umstände, Hindernisse und was weiss ich noch alles.

Ich selber habe keine Identität, die nicht auch meine Umwelt berücksichtigt. Und die sexuelle Indentität ist ja nur eine Baustein. Man muss ja die gesamte Identität eines Individuums sehen. Wir dürfen diesen Bestandteil nicht zu wichtig nehmen. Ich habe festgestellt, wenn ich meine sexuelle Identität zu wichtig nehme und davon mein Leben bestimmen lasse alles andere zu kurz kommt und ich nicht zufrieden sein kann. Es gibt so viele wichtige Dinge, die ich alle zufrieden leben will und jedes erfordert Energie. Und man strebt nun mal als Teil der Natur zu einem Zustand wo maximales Ergebnis mit gerinstem Energieaufwand erledigt wird.

Und deshalb wünsche ich mir nichts grundlegend anderes. Ich habe mein trans-Sein angenommen und bin darauf schon stolz das geschafft zu haben. Mehr kann ich mir dazu nicht wünschen.

Da kommt jetzt noch ein wenig hinzu, wie es ausgelebt werden kann, aber auch das ist nicht bestimmend für mein Leben insgesamt.

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Re: Ein Wunschkonzert...?!

Post 8 im Thema

Beitrag von YvonneTV » Di 30. Jan 2018, 13:34

Hallo Anja - tolle Idee (yes) (moin)

Vorweg: Ich hoffe/denke ich fahre nicht zuuuu sehr mit angezogenr Handbremse durchs Leben, allerdings auch nicht mit Vollgas ab durch die Mitte. Früher hat mich viel mehr gebremst, doch es wurde im Laufe der Zeit defintiv weniger (smili) Und doch gibt es sie freilich noch diese Bremsen .....


-----


Ich würde, wenn äussere Belange kene Rolle spielen würden, so leben:

Die Teilzeitfrau in mir kommt nun viel mehr raus. Die Kollegen auf Arbeit wissen nie, wie sie mich morgens antreffen, ob als Yvi (die sie nicht kennen) oder im Männermodus. Sie freuen sich auf immer wieder tolle Outfits, wobei die Geschmäcker freilich verschieden sind :D Zu manchen Besprechungen brezel ich mich schon mal so richtig auf ("Sektretärinnen-Sytle"), genauso ist es oft einfach dezent und praktisch ("sportliches Trunschuhoutfit"). Auch trage ich meine geliebten Heels wann immer ich möchte :mrgreen: Die zahlreichej Stolperstellen auf der Strasse werden immer mehr behoben - das Risiko den Abatz zu zerstören und hängen zu bleiben sinkt ! :P

Ich kann mich nun überall so bewegen: Egal ob iim Job, privat (meine Kids wissen nun auch von Yvi und finden es eingfach spannend (smili) ), somit kann ich auch im eigenen Ort so raus gehen, wie ich es möchte. Ich fahre nicht mehr in den Nachbarort zum Einkaufen, sondern gehe in den Rewe um die Ecke, auch der Bäcker kennt mich. Im Pass stehen beide Namen, so dass es nie Probleme gibt, wenn ich Verträge und so unterschreibe.

Doch es gab auch optische Veränderungen: Die Augenbrauen wurden professioell noch mehr in weibliche Form gebracht, die Gesichtsform wurde angeglichen, um die typisch männlichen Ecken und Kanten weicher zu machen, ich bin komplett haarlos am Körper (von Augen und auf dem Kopf mal abgesehen), ich habe etwas Hüfte bekommen. So wirke ich weiblicher, doch kann genauso als Mann in die Welt gehen. Die Haare auf dem Kopf wachsen prima und ich brauche keine Perücke mehr, oder nur um mal die Farbe spontan zu wechseln. Rasieren und Bartschatten gibt es nicht mehr :)

Ich mache ein Stimmtraining und da ich an einen super tollen Coach komme, gelingt es mir nach viel Übung letztendlich zwischen meiner männichen und natürlich-weiblichen Stimme zu wechseln 8)

 


Huiiiii, das sind wohl viele Wünsche .... Einige davon lassen sich sicher auch real umsetzen )):m Vor einigen Jahren war es ein Traum von mir als Frau raus zu gehen, geschminkt und mit weiblichem Outit.
Heute ist das schon mal real !!!
Sicher gibt es Träume die welche bleiben, doch vieles ist möglich, kann auch real werden ....)))(:
Ganz liebe Grüsse - Yvi

Vincent
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Re: Ein Wunschkonzert...?!

Post 9 im Thema

Beitrag von Vincent » Di 30. Jan 2018, 16:39

Hallo Jenina,
Ich finde die Fragestellung zum Wunschkonzert recht spannend, ist es für mich doch ein Anstoß darüber nachzudenken, was ich erreicht habe, erreichen will und was grundsätzlich erreichbar wäre, wenn auch, wie du schreibst, mit Arbeit.
Jenina hat geschrieben:
Di 30. Jan 2018, 13:27
Ein "ich bin" das völlig unabhängig von einer Umwelt existieren würde? So etwas gibt es aber nicht. Der Mensch ist ein gesellschaftliches Wesen und ohne Interaktion mit seiner Umwelt, insbesondere anderen Menschen nicht denkbar. Eine Identität ist immer auch eine Reflexion der Umwelt auf sich selbst, also auch deren Umstände, Hindernisse und was weiss ich noch alles.

Ich selber habe keine Identität, die nicht auch meine Umwelt berücksichtigt.
Natürlich lebt das eigene Ich, von der Reflexion der Mitmenschen, Kleidung und auch die die geschlechtliche Identität und Rolle haben mit Sicherheit nach einiger Zeit für einen völlig kontaktlos lebenden Eremiten keine Bedeutung mehr, von zweckmäßigen Aspekten abgesehen.

Aber um das Formen seiner Person, seiner Möglichkeiten, der eigenen Umwelt und in gewissen Grenzen auch der Mitmenschen geht es - alleine durch langsame Gewöhnung lässt sich viel erreichen.
YvonneTV hat geschrieben:
Di 30. Jan 2018, 13:34
Die Kollegen auf Arbeit wissen nie, wie sie mich morgens antreffen, ob als Yvi (die sie nicht kennen) oder im Männermodus. Sie freuen sich auf immer wieder tolle Outfits, wobei die Geschmäcker freilich verschieden sind :D Zu manchen Besprechungen brezel ich mich schon mal so richtig auf ("Sektretärinnen-Sytle"), genauso ist es oft einfach dezent und praktisch ("sportliches Trunschuhoutfit").
Ich kann mich nun überall so bewegen: Egal ob iim Job, privat (meine Kids wissen nun auch von Yvi und finden es eingfach spannend (smili) ), somit kann ich auch im eigenen Ort so raus gehen, wie ich es möchte.
Du zeichnest mein Idealbild, Yvonne, abgesehen davon, dass mir Männermodus reicht, das schöne Kleid will ich aber trotzdem.
Im letzten Post hatte ich etwas voreilig geschrieben, dass ich schon nahe an meinem Ziel bin, nachdem ich mir bewusst gemacht habe, dass ich kurz vorher von einer Einkaufstour in der näheren Umgebung zurückgekommen bin und den Sohn vom Kindergarten abgeholt habe- alles in einem Shirtkleid, mit FSH, kniehohen Stiefeln, mit schulterlangen Haaren und Vollbart, also als Mann.

Trotzdem würde ich das hübsche Kleid, nicht wagen. Nicht im Alltag, zu besondern Veranstaltungen ist es eine Herausvorderung.

Und, ich fahre jetzt zu meiner Frau in die Arbeit, werde die FSH gegen eine Skinnyjeans und das Kleid gegen einen langen Kaputzenpullover tauschen.
Und das ist durchaus häufig, dass ich mich ein- oder mehrfach am Tag umziehe, weil...

Nein es ist doch noch mehr Raum zum Träumen Arbeiten :roll:
LG

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Re: Ein Wunschkonzert...?!

Post 10 im Thema

Beitrag von Brigitta » Di 30. Jan 2018, 17:30

Hallo Anja,

die Gedankenspiele gefallen mir, doch stehe ich so fest in meinem Leben, dass ich gar kein Wunschkonzert brauche.
Deine Frage ...
Anja hat geschrieben: Was würdest du tun, wie würdest du leben, wenn keine Randbedingungen existierten?

kann ich - für einige Leserinnen hier vielleicht unverständlicherweise - recht einfach beantworten:
Sebst wenn es keine äußeren Einschränkungen gäbe, würde ich wohl nicht viel anders weiterleben als jetzt.
Denn wenn ich - gäbe es die Fee, die meine Wünsche erfüllt - von heute auf morgen zur Frau werden könnte,
ich bin mir nicht sicher, ob ich außerhalb meiner Traumwelt, diesen Schritt wirklich gehen würde ...
... schließlich hat das Leben als Frau auch seine negativen Seiten und Nachteile, die ich nicht hinnehmen möchte.

Wie ich in Vanessa's Thread http://www.crossdresser-forum.de/phpBB3 ... 72#p191072
bereits geschreiben haben, bin ich mit meinem Crossdresser-Leben ganz zufrieden, genieße auch die Stunden,
in denen ich mich als Mann bewege, wo wie ich es mein Leben lang getan habe.
(na)
Ich schließe mich daher Jenina an, die schrieb ...
deshalb wünsche ich mir nichts grundlegend anderes. Ich habe mein trans-Sein angenommen und bin darauf schon stolz das geschafft zu haben.
... viel mehr will ich auch nicht, doch Dir und allen anderen, die sich verändern wollen oder bereits unterwegs dahin sind,
wünsche ich alles Gute und viel Glück - lebt Euren Traum, so gut es geht!!!
(smili)
Liebe Grüße
Brigitta ))):s
Nicht jede Frau kann eine Gazelle sein. (Elena Uhlig)

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Re: Ein Wunschkonzert...?!

Post 11 im Thema

Beitrag von biene38 » Di 30. Jan 2018, 18:10

also wenn das Leben ein Wunschkonzert wäre, dann dürften Männer so sein wie sie wollen, und müssten sich nicht verkleiden oder anpassen, um sich so zu geben wie sie sind...schade, dass das Leben kein Wunschkonzert ist...
LG

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Re: Ein Wunschkonzert...?!

Post 12 im Thema

Beitrag von Lorelai74 » Di 30. Jan 2018, 18:59

Tolles Gedankenspiel!

Ein Wunschkonzert...
Dann wäre ich ein Lied Frau und ein Lied Mann,
einmal irgendwo dazwischen...
Bunt und zwischen beiden Welten Wechselend wie es mir gerade gefällt..

Denn es sagt ja niemand das man nur ein Lied,
Einen Musikstil mögen muss.
Viele liebe Grüße
Lorelai

Wenn alles gegen dich zu laufen scheint, erinnere dich daran, dass ein Flugzeug gegen den Wind abhebt, nicht mit ihm.
H. Ford

heike65

Re: Ein Wunschkonzert...?!

Post 13 im Thema

Beitrag von heike65 » Di 30. Jan 2018, 19:17

Wenn ich ehrlich bin:
Ich lebe mein Wunschkonzert, das ganze ist zwar langsamer wie unter Traumvorstellung gelaufen, aber ansonsten wären nur Nuancen anders.
Klar würde man in einer idealen Welt schneller als Frau leben können, sich weniger vor etwaigen Reaktionen oder eigenen Bedenken leiten lassen,
aber ansonsten würde ich nichts anders haben wollen.

Liebe Grüsse
Heike

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Re: Ein Wunschkonzert...?!

Post 14 im Thema

Beitrag von Inga » Mi 31. Jan 2018, 10:35

Hallo, Anja,

ein tolles Gedankenspiel. Was ist eigentlich mein Wunsch, den ich erträume, voll ausleben möchte und nicht so kann bzw. nicht so traue?

Ich glaube, es ist das Leben mitten, zwischen und in beiden Geschlechtern. Mein Körper hätte mehr weibliche Rundungen am Po und Brust. Eine GaOp will ich nicht. Den Penis hätte ich weiterhin. Doch Bartstoppel gäbe es nicht. Rasieren wäre mir fremd. Füllige lange Haare würden mir Perücken ersparen und abwechslungsreiches Styling in vielen Farben erlauben. In der Wahl der Kleidung und Schuhe wäre ich frei, zu wählen ob Rock oder Hose, Kleid oder Strickpulli, Stiefel oder Turnschuhe. Ich würde mir keine Gedanken machen, ob etwa die ausgewählte Kleidung für die Situationen und Bgegnungen am Tage zu sehr Frau wäre. Wie ich dem Postboten, die Türe öffnen würde, wie ich einkaufen, arbeiten, ausgehen würde, wie Freunde treffen, wäre mir egal. Mal so, mal so. Denn Inga wäre einer der Namen, unter dem mich alle Freunde, Bekannte und Verwandten selbstverständlich kennen würden.

Ich wünsche mir das Leben im "dritten Geschlecht" zu leben und hätte dies auch im Ausweis stehen. Ich müsste auf Formularen nicht mehr die Frage nach einem Geschlecht beantworten, würde weder Behördenbriefe noch Werbepost an "Herrn .. " oder "Frau ... " bekommen, bräuchte nicht mehr zu entscheiden, ob ich bei "Herren" odre "Damen" mein drängendes Bedürfnis löse und bräuchte mir nicht mehr den Kopf zu zerbrechen, ob ich in den Genuss einer "Frauenquote" kommen sollte. Denn ich fühle mich geschaffen als Mann und Frau.

Mal schaun, wann in den nächsten Jahren davon was und wie noch Alltag wird.

Liebe Grüße
Inga

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