Transsexualität: "Mein Kind ist Transgender"
Transsexualität: "Mein Kind ist Transgender"

Forumbereich für Kinder und Jugendliche, die sich als transsexuell oder transidentisch beschreiben und deren Eltern.
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Anne-Mette
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Transsexualität: "Mein Kind ist Transgender"

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Di 11. Jul 2017, 19:50

Moin,

... ein kurzes Video - und etliche Kommentare: http://www.zeit.de/video/2017-07/550196 ... r#comments

Wie auch immer: wer nicht tief in der Thematik steckt, sollte es sich nicht einfach mit den Kommentaren machen, denke ich.

Ich würde mir "aus der Ferne" kein Urteil erlauben, hoffe aber, dass sich Eltern und "Sorgeberechtigte" äußerst verantwortungsvoll verhalten und sich die Konsequenzen für's Kind genau vor Augen halten.

Auch wenn ich mich unbeliebt mache: auch Kindern würde es gut tun, in einer offenen Gesellschaft zu leben, die Uneindeutigkeiten zulässt - und die ihnen Zeit gibt für Entscheidungen.

Gruß
Anne-Mette

ab08
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Re: Transsexualität: "Mein Kind ist Transgender"

Post 2 im Thema

Beitrag von ab08 » Di 11. Jul 2017, 20:43

Liebe Anne-Mette,

wie erwähnt, halte ich den Begriff "Entscheidung" im Bezug auf Transsexualität für sehr problematisch.
Wenn es sich wirklich um Transsexualität handelt, ist es das nämlich nicht.

Liebe Grüße
Andrea
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MichiWell
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Re: Transsexualität: "Mein Kind ist Transgender"

Post 3 im Thema

Beitrag von MichiWell » Di 11. Jul 2017, 21:16

Hallo zusammen,

die Kommentare ... naja ... Besonders die des einen Schreibers legen die Vermutung nahe, dass die Person den Unterschied zwischen Pubertätsblockern und gegengeschlechtlichen Hormonen entweder nicht kennt, oder bewusst ignoriert, damit die "Argumentationsschiene" passt.

Liebe Grüße
Michi
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Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie.

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Re: Transsexualität: "Mein Kind ist Transgender"

Post 4 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Di 11. Jul 2017, 21:27

Guten Abend,

da muss und möchte ich streiten - bei allem Respekt (smili)

Warum soll der Begriff "Entscheidung" problematisch sein im Zusammenhang mit Transsexualität?


Gruß
Anne-Mette

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Re: Transsexualität: "Mein Kind ist Transgender"

Post 5 im Thema

Beitrag von Marielle » Di 11. Jul 2017, 21:54

Nabend,
Warum soll der Begriff "Entscheidung" problematisch sein im Zusammenhang mit Transsexualität?
Das ist doch hinlänglich bekannt.

Niemand kann etwas dafür, mit welchen Eigenschaften (im weitesten Sinn) er auf diese Welt gebracht wurde. Es gibt diesbezüglich keine Wahl- oder Entscheidungsfreiheit.

Problematisch an der ganzen Sache ist, dass einige Zeitgenoss_innen das erratische und von Machtstreben und Unterdrückung geprägte Verhalten hunderter vorangegangener Generationen reproduzieren und aus einem Teil dieser Eigenschaften, für sich selbst (ist ok) und andere (geht gar nicht), weiterhin ein Geschlecht jenseits der Fortpflanzungsfunktion als zwangsläufige Grundlage für persönliches Handeln und Sein postulieren, ohne dafür einen vernünftigen Grund bzw. einen Beleg angeben zu können.

Einem einfach gestrickten Menschen, der von der Meinung seines sozialen Umfeldes vielleicht auch noch sehr abhängig ist, könnte man das glatt nachsehen. Bei Menschen, die es aus eigener Anschauung besser wissen könnten, fällt mir das mittlerweile seeeeehr schwer.

Marielle
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Re: Transsexualität: "Mein Kind ist Transgender"

Post 6 im Thema

Beitrag von Lea92 » Di 11. Jul 2017, 22:36

Marielle hat geschrieben:
Di 11. Jul 2017, 21:54
Nabend,
Warum soll der Begriff "Entscheidung" problematisch sein im Zusammenhang mit Transsexualität?
Das ist doch hinlänglich bekannt.

Niemand kann etwas dafür, mit welchen Eigenschaften (im weitesten Sinn) er auf diese Welt gebracht wurde. Es gibt diesbezüglich keine Wahl- oder Entscheidungsfreiheit.

Problematisch an der ganzen Sache ist, dass einige Zeitgenoss_innen das erratische und von Machtstreben und Unterdrückung geprägte Verhalten hunderter vorangegangener Generationen reproduzieren und aus einem Teil dieser Eigenschaften, für sich selbst (ist ok) und andere (geht gar nicht), weiterhin ein Geschlecht jenseits der Fortpflanzungsfunktion als zwangsläufige Grundlage für persönliches Handeln und Sein postulieren, ohne dafür einen vernünftigen Grund bzw. einen Beleg angeben zu können.

Einem einfach gestrickten Menschen, der von der Meinung seines sozialen Umfeldes vielleicht auch noch sehr abhängig ist, könnte man das glatt nachsehen. Bei Menschen, die es aus eigener Anschauung besser wissen könnten, fällt mir das mittlerweile seeeeehr schwer.

Marielle
Mit "Entscheidung" kann in dem Zusammenhang aber auch eine Entscheidung für HRT und ggf. auch OP gemeint sein. Und da gibt es definitiv eine Entscheidungsfreiheit. Für die wurde auch lange gekämpft. Es ist durchaus auch möglich, transsexuell zu sein, aber dennoch keine OP, evtl. sogar noch nicht mal eine HRT zu wünschen. Auch das sind Entscheidungen, die zu respektieren sind. Eine Entscheidung, ob man transsexuell ist, oder nicht, gibt es nicht. Aber es gibt sehr wohl eine Entscheidung, wie man damit umgeht und was man für einen Weg für seine Zukunft einschlägt.
Körper ganz Mann, Kopf halb Mann, halb Frau, doch auch eine halbe Frau braucht auch Freiheiten und will sich gelegentlich mal zeigen.

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Re: Transsexualität: "Mein Kind ist Transgender"

Post 7 im Thema

Beitrag von Marielle » Di 11. Jul 2017, 23:03

Nabend Lea,

ich verstehe nicht so recht, warum nach dem Zitat meines Beitrags ein 'aber' von dir kommt. Möglicherweise hast du mich falsch verstanden.

Ich habe es ziemlich genau so gemeint, wie ich deinen Beitrag verstehe. Aber es gibt eben auch Menschen, die Geschlecht als starre Vorgabe für Verhalten und Sein betrachten. Nach deren Vorstellung muss sich ein 'Mann' so und so verhalten, eine 'Frau' so und so aussehen. Sie definieren an etwas herum, was sie, mit jedem Recht, für sich selbst als Gewissheit annehmen und versuchen gleichzeitig (da liegt m.E. das Problem) aus ihrer individuellen Gewissheit eine Normierung für andere zu machen. Einige von denen sagen tatsächlich, dass es keine Wahl gäbe; man müsse Hormone und OP haben, wenn man 'richtig transsexuell' ist. Sie lehnen die nachgeburtliche Definition ihrer selbst durch Penis und Vagina (zu Recht!) ab, übertragen die Definitionsmacht aber umgehend auf lange oder kurze Haare, Absatzhöhen, Make-Up oder Post-OP-Vaginas und Penisse. Bei allem Respekt diesen Menschen gegenüber ist das m.E. ... nunja ... Bullshit nicht nachvollziehbar.

Gegen letztere Sicht auf die Dinge habe ich, mit ein bisschen verdriesster Ironie, gestänkert. Aber vielleicht konnte ich mich wiedermal nicht verständlich machen.

Hab es gut


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Re: Transsexualität: "Mein Kind ist Transgender"

Post 8 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Mi 12. Jul 2017, 07:56

halte ich den Begriff "Entscheidung" im Bezug auf Transsexualität für sehr problematisch.
Oder kurz gesagt, es geht nicht um die Entscheidung wer sie sind, sondern wie sie leben wollen.
Viele Grüße
Vicky

Anne-Mette
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Re: Transsexualität: "Mein Kind ist Transgender"

Post 9 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Mi 12. Jul 2017, 08:29

Moin,

wir müssen doch unterscheiden zwischen jüngeren Kindern, die "alle Zeit der Welt haben" und Kindern, bei denen es "knapp wird vor der Pubertät".
"Gesellschaftlicher Druck, sich festzulegen auf Junge oder Mädchen" nimmt Kindern ein möglichst freies Selbstbestimmungsrecht und ein möglichst unbelastetes Ausprobieren und Kennenlernen von Körper und Seele, von Rollen und Selbstverständnis.

Gruß
Anne-Mette

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Re: Transsexualität: "Mein Kind ist Transgender"

Post 10 im Thema

Beitrag von ab08 » Mi 12. Jul 2017, 08:57

Hallo Anne-Mette, hallo Vicky,

herzlichen Dank für die Präzisierungen (flo)

So formuliert, verstehe ich es und teile die Einschätzung natürlich!!
Daher entschuldige ich mich für eventuelle Missverständnisse :oops:

Es geht natürlich immer darum, mit Kindern sensibel umzugehen, ihnen ihre Freiheiten/Entwicklungsmöglichkeiten zu lassen und sie eben nicht zu verbiegen!!
-> In der Praxis (besonders im Kindergarten aber auch später) dürfte es auch nicht sooo problematisch sein, wenn das Kind die Rollen wechselt oder indifferent lebt. :wink:

Liebe Grüße
Andrea )))(:
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Re: Transsexualität: "Mein Kind ist Transgender"

Post 11 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Mi 12. Jul 2017, 11:04

Moin,

hier ist noch ein Artikel erschienen, der sich mit dem Thema "Transgender-Kinder" auseinandersetzt.
Allerdings bin ich langsam skeptisch, wenn ich den Wert solcher Artikel beurteilen sollte.
Anlass für die Veröffentlichung war wohl in erster Linie ein Fotoprojekt.


Diese Transgender-Kinder zeigen, wer sie wirklich sind
Nicht jede*r hat das Glück, mit dem richtigen Geschlecht geboren zu sein.


Na gut - hier ist der Link: http://ze.tt/diese-transgender-kinder-z ... lich-sind/

Gruß
Anne-Mette

Vicky_Rose
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Re: Transsexualität: "Mein Kind ist Transgender"

Post 12 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Mi 12. Jul 2017, 12:17

@Andrea: Kein Thema. Ich finde es immer spannend, wenn ich sehe, dass Menschen auf Grund ihrer persönlichen Vorgeschichte eine gänzlich andere Perspektive haben und sich dies auf das gegenseitige Verständnis durch schlägt. So kann der gleiche Satz bei zwei Menschen völlig unterschiedliche Bedeutungen bekommen. Bekanntes Beispiel:

Er sah sie wohl wollend an.
Er sah sie wohlwollend an.

Es muss nicht immer so dramatisch sein. dann ist es aber schwieriger zu entdecken. Für mich ist es wichtig, mir das im Gespräch immer vor Augen zu führen, um gegebenenfalls nach zu fragen, wenn ich unsicher bin.

(cof)
Viele Grüße
Vicky

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