Übergriffe auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof
Übergriffe auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof - # 6

Antworten
Veronika
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 260
Registriert: Di 15. Sep 2015, 15:42
Geschlecht: gefühlt weiblich
Pronomen:
Membersuche/Plz: Komme aus dem Rheinland
Hat sich bedankt: 219 Mal
Danksagung erhalten: 52 Mal

Re: Übergriffe auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof

Post 76 im Thema

Beitrag von Veronika » So 10. Jan 2016, 12:26

Hallo zusammen,

die Berichterstattung in den Medien ist ja immens.
Vor einigen Tagen wurde berichtet das die Kölner Polizei bei der Zentralstelle für den Einsatz von Hundertschaften eine Hundertschaft für Silvester angefordert hat. (Diese Zentralstelle ist dem Innenminister unterstellt) von dort kam jedoch eine Ablehnung.
Einige Tage später war eine Meldung zu lesen, dass diese Zentralstelle der Polizei in Köln eine Hundertschaft angeboten hat, die jedoch von Köln abgelehnt wurde.

Wem ist hier jetzt zu glauben. Hier ist eine Verschleierung von Tatsachen im großen Stiel im Gange.
Jeder der Verantwortlichen klebt an seinem Stuhl und versucht die Schuld bei anderen zu suchen.
Der Polizeipräsident ist abgesetzt worden, durch den Innenminister. M. E. muss auch der Innenminister abgesetzt werden, denn dieser ist für den Polizeiabbau in NRW verantwortlich. (Ich hatte dazu in diesem Thread bereits geschrieben)
Ich stelle mir hier die Frage, etliche Politiker haben sich in den Medien mit Entsetzen geäußert, wo ist bisher die Stellungnahme der Ministerpräsidentin Kraft geblieben.
Wird hier im stillen Kämmerlein nach einer Lösung gesucht das der Innenminister doch im Amt bleiben kann?

Die hochgelobte Pressefreiheit gibt es schon lange nicht mehr in Deutschland.
Es wird immer mehr versucht unangenehme Wahrheiten unter den Tisch zu kehren.

Noch einen schönen Tag

Veronika

Q-Chromosom
Beiträge: 18
Registriert: Sa 15. Aug 2015, 11:52
Geschlecht: ?
Pronomen:
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 4 Mal

Re: Übergriffe auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof

Post 77 im Thema

Beitrag von Q-Chromosom » So 10. Jan 2016, 12:56

Marielle hat geschrieben: [...]Die oft genannte 'Mitte der Gesellschaft' muss sich viel deutlicher und mit durchdachten Positionen in den Diskurs einbringen, anstatt ihr 'bürgerliches Engagement' darauf zu beschränken, eine unterfinanzierte Polizei zwischen die Fronten zu stellen und ansonsten verbal auf 'die Regierung' einzudreschen oder gar die Parolen der Strasse aufzugreifen.

Demokratie und Freiheit sind nicht der Lohn für Passivität, Konsum und jährliches Kreuzchen-Machen!
[...]
mir fällt da spontan ein Titel von Dota ein:
https://www.youtube.com/watch?v=8aymKOC8DsQ
"immer die andern, wie könnt' es anders sein?"

Was ich damit sagen will ist zum Einen,
dass ich dem schon zustimme, dass Wahlen nicht reichen. Irgendwex sagte mal, dass eins bei Wahlen keine Stimme bekommt, sondern sie mit dem Wahlzettel abgibt.
Und ja: es gibt eine kollektive Verantwortung in einem Staat in dem keine diktatur herrscht.
Aber bürgerschaftliches Engagement endet zur Zeit all zu oft in einer grölenden Masse vor Asylant*innen-Heimen.
Es erinnert mich zwar weniger an den Beginn des 20. Jahrhundert (und wenn dann auch eher an das ende des 19. jahrhunderts mit den antisemitismusbewegungen, die auch in die weimarer republik überflossen), als an die Zustände der 90er Jahre in denen der Staat einem rassistischen Mob nachgibt und sicherlich hat das Ganze Dimensionen erreicht, die es stellenweise zu einer lebensgefährdenden Aufgabe machen, sich für einen solidarischen Umgang miteinander einzusetzen. Da mit Vernunft zu argumentieren halte ich für eine Utopie in ziemlich weiter ferne.

auch für mich ist die konsequenz daraus nicht, eine stärkere Polizei zu fordern.
Militärstaat, befehlen und gehorchen, mehr polizei, mehr überwachung, das scheinen ernstgemeinte forderungen zu sein. Aber wollen wir das wirklich?

Für mich ist die Konsequenz zum Einen weiter daran zu arbeiten, Frauen* kostenarme Selbstbehauptungskurse anzubieten (einen wendoo kurs für 80€ kann sich nun mal nicht jedex leisten), eben um präventiv gegen eventuelle Schuldzuschreibungen vorzugehen. (empowerment)
und zum Anderen eine intensive Jugendbildungsarbeit voranzutreiben, die Menschen, die in einer Normalität leben, in der nicht cismännliche Personen rechtsärmere Personen sind (und damit meine ich nicht(!) in erster Linie Personen, die aus Staaten kommen, in denen die konsequente Entrechtung von Frauen vorangetrieben wird) aufzeigt wie es anders geht, dass es anders gehen muss. Ich glaube alles andere ist Symptombekämpfung.
Ja. Jugendbildungsarbeit ist nicht alles. Die Leute gehen danach wieder in den Alltag aus dem sie kamen. Trotzdem ist sie ein Anfang, ein existent machen von anderen Normalitäten.
Für mich ist das Ganze -genau wie jedes Jahr das Oktoberfest- eine krasse Bestätigung der Notwendigkeit meiner bisherigen politischen Arbeit.
dazu gehört auch das Schreiben, Interventionen (und wenn das bedeutet, dass ich in zukunft woanders meine brötchen kaufe) und die konsequente Verweigerung Menschen in Uniform präventiv Respekt zu zollen (für mich ist der komplette Polizeiapparat eine strukturelle Katastrophe... in die vorhandenen Strukturen noch mehr Leute zu stecken, macht für mich nichts besser!). Es gibt für mich keinen Grund unhinterfragt auf Befehle zu hören.

Für solche massenveranstaltungen awarenesskonzepte zu fordern, ist wohl sehr utopisch, aber kleine Forderungen, wie spezielle Ansprechpartner*innen bei sexualisierter Gewalt überall dort abzustellen, wo viele Menschen aufeinander treffen... warum es nicht versuchen?
"Without community there is no liberation
but community must not mean a shedding of our differences
nor the pathetic pretense that these differences don't exist." (Audre Lorde)

Marielle
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 1582
Registriert: Do 11. Aug 2011, 10:52
Geschlecht: Mensch
Pronomen: ikke
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 125 Mal
Danksagung erhalten: 657 Mal

Re: Übergriffe auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof

Post 78 im Thema

Beitrag von Marielle » So 10. Jan 2016, 13:06

Die hochgelobte Pressefreiheit gibt es schon lange nicht mehr in Deutschland.
Und welchen Zweck soll dieser Schlag in's Gesicht derjenigen, die sich um neutralen Journalismus bemühen, nun haben? Oder sind tatsächlich ALLE Journalist_innen Lügner_innen?

Das die Presse nicht das schreibt, was man gerne hätte, ist kein Mangel der Presse. Und wenn man behauptet, dass die Presse lügt, erfordert das einen Beleg. Eine Parole reicht nicht. Mal abgesehen davon: In kürzester Zeit finden sich im Netz Presseartikel, die die Sache von allen Seiten und mit unterschiedlichsten Ergebnissen beleuchten. Es könnte also auch an der eigenen Auswahl liegen, wenn der Eindruck einer einseitigen Berichterstattung entsteht.

Und darüber hinaus: Welchen Mehrwert hat die Information, dass es sich 'überwiegend um Nordafrikaner handelte' denn eigentlich? Diese Information wird ja wohl mit der Formulierung "Verschleierung von Tatsachen" eingefordert. Sie hat keinen wirklichen Mehrwert, weil man dann immer noch nicht weiss, WER genau WAS getan hat und dafür in den Knast gehört. Allenfalls die Untermauerung eigener (Pauschal-) Urteile wird dadurch bedient. Solange man nicht einzelne Personen benennen kann, ist die eigentlich richtige Meldung, dass es Menschen waren, die dort Verbrechen begangen haben. Sämtlich Attribute sind Spekulationen oder Verallgemeinerungen, die einem Rechtsstaat und einer rechtstaatlichen Gesellschaft nicht angemessen sind. Man stelle sich den Entrüstungssturm vor, der entstünde, wenn aus Verbrechen am Rande einer CSD-Parade die Forderung nach Abschaffung dieser Paraden der 'überwiegend gewaltbereiten LGBTIQ-Community' gemacht würde.

Das es in afrikanischen und arabischen Gesellschaften andere Wertvorstellungen als in Teilen! der hiesigen Bevölkerung gibt, ist übrigens auch keine neue Erkenntnis. Das weiss man schon seit Ewig und drei Tagen. Man hätte sich also schon sehr lange mit der Frage beschäftigen können, wie man diese Diskrepanz beseitigt, anstatt jetzt zu sagen 'Siehste, ich hab's ja gewusst.'


Nochmal: Demokratie und Freiheit sind nicht der Lohn für Passivität, Konsum und jährliches Kreuzchen-Machen!

Marielle
As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.

Lina
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 3563
Registriert: Di 25. Jan 2011, 00:34
Pronomen:
Membersuche/Plz: z.Zt. ------
Hat sich bedankt: 13 Mal
Danksagung erhalten: 360 Mal

Re: Übergriffe auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof

Post 79 im Thema

Beitrag von Lina » So 10. Jan 2016, 13:15

@Die hochgelobte Pressefreiheit gibt es schon lange nicht mehr in Deutschland.


Leute die das behaupten, sind nach meiner Erfahrung gerade die, die erwarten dass sie ungestört sonstwas in den Medien behaupten können - und es meistens auch tun. Und niemand stört sie dabei.

Insbesondere heute, wo praktisch alle textliche und audiovisuelle Berichterstattung übers Internet an ihe Zielgruppe bringen kann, was ja etwas realtiv Neues ist. Soll die Urheberin der o.g. Behauptung doch belegen, dass etwas von ihr oder von anderen zensiert wurde. Wenn sie das nicht tut, müssen wir wohl davon ausgehen, dass sie weiß, dass ihre Behauptung unwahr ist.

exuserin-2017-01-16

Re: Übergriffe auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof

Post 80 im Thema

Beitrag von exuserin-2017-01-16 » So 10. Jan 2016, 13:23

@Die hochgelobte Pressefreiheit gibt es schon lange nicht mehr in Deutschland.

Vielleicht ist das falsch ausgedrückt? Wenn man sich informieren will gibt es schon noch genug unabhängige Zeitungen. Aber durch die zusammengeschalteten Medienkonzerne ich denke da an Bild oder die Pro 7 oder RTL Gruppen entsteht schon der Eindruck einer gleichgeschalteten Medienlandschaft.
Man muß halt suchen und auch mal quer lesen ...

Zum Thema Demokratie könnte man hier Seiten füllen die einzige echte Demokratie finde ich ist die Schweiz.

Grüße u.

Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 13579
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: InterS
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Membersuche/Plz: 24977
Hat sich bedankt: 689 Mal
Danksagung erhalten: 5111 Mal
Gender:

Re: Übergriffe auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof

Post 81 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » So 10. Jan 2016, 13:30

Moin,

wer sich informieren WILL, findet immer die Möglichkeit.
Allerdings halte ich es für notwendig, sich aus mehreren Informationsquellen zu bedienen.
Ich sichte auch Teile der Boulevardpresse, da ich ansonsten kaum wüsste, was dort zu lesen ist.

Gruß
Anne-Mette

Veronika
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 260
Registriert: Di 15. Sep 2015, 15:42
Geschlecht: gefühlt weiblich
Pronomen:
Membersuche/Plz: Komme aus dem Rheinland
Hat sich bedankt: 219 Mal
Danksagung erhalten: 52 Mal

Re: Übergriffe auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof

Post 82 im Thema

Beitrag von Veronika » So 10. Jan 2016, 15:03

Anmerkung zu meinem Text von 13.26 Uhr

Beide Meldungen über die Einsatzhundertschaft waren in
FOCUS-online nachzulesen.

ab08
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2168
Registriert: So 12. Feb 2012, 14:43
Geschlecht: Frau (TS bzw. IS)
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Nürnberg
Membersuche/Plz: 90480
Hat sich bedankt: 2028 Mal
Danksagung erhalten: 1160 Mal
Gender:

Re: Übergriffe auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof

Post 83 im Thema

Beitrag von ab08 » So 10. Jan 2016, 15:43

Hallo Veronika,

Fehlmeldungen bzw. sich widersprechende Meldungen, das gehört in einer freien Gesellschaft dazu.
Journalisten sind nicht unfehlbar, genauso wenig wie Wissenschaftler / Lehrkräfte etc.
Bei Nachrichten spielt eben auch die Aktualität eine Rolle, da rutscht auch mal was durch.
Anmerkung:
Natürlich sollten wir möglichst viele Quellen nutzen, um zu einem einigermaßen validen Urteil zu kommen (Fremdsprachenkenntnisse helfen dabei sicher)

Liebe Grüße
Andrea
_________________________________________________________________________________________________________________________________
Hallo meine Lieben,

noch zwei Anmerkungen:
Bzgl. Polizei ("Staatsbürger in Uniform"):
Es geht darum, dass Ordnungskräfte so zahlreich sein müssen und so ausgestattet sein sollten, wie nötig, um ihrem Auftrag gerecht zu werden.
Bei aktuell kursierenden Statistiken bitte aufpassen. --> Es sind Örtlichkeiten & zusätzlich auf die Polizei verlagerte Aufgaben zu berücksichtigen.
--> Selbst Einsparungen von z.B. nur 5 % können bereits ausschlaggebend für dann auftretende Probleme sein.
Beamte werden auf die Verfassung vereidigt. Eine Demokratie braucht neutral agierende Ordnungskräfte.
Das ist bei uns der Fall --> Für Einzelfälle, wo dies nicht so ist, sind Sanktionsmöglichkeiten vorgesehen...

Bzgl. Weimar etc. Vielleicht liegt es daran, dass ich in Bayern lebe, aber da mach ich mir keine Sorgen.
Hier reagieren, im eigenen Interesse, Verantwortliche in der Regel nämlich recht schnell. -
Bürger melden sich hier bei Problemen rasch auf unterschiedlichste, aber legale(!), Weise, zu Wort.
(Leserbriefe, Briefe an bzw. Gespräche mit Abgeordneten, Stadteilversammlungen, Vereine, Bürgerinitiativen, Bürgerentscheide und andere Wege...)
Man kennt sich. - Wer verantwortlich ist und nicht angemessen reagiert, könnte Ruf + Einfluß verlieren.
Es gibt natürlich Gegenbeispiele von Personen, die erfolgreich sind, weil die Sache trotzdem akzeptiert wird, nach dem Motto "A Hund is er scho!", aber manchmal ist es eben aus.

Liebe Grüße
Andrea

Anmerkung: Ich verweise ausdrücklich auf meine Signatur, die meiner tiefsten Überzeugung entspricht!
Zuletzt geändert von ab08 am So 10. Jan 2016, 18:32, insgesamt 3-mal geändert.
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz

conny
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2717
Registriert: Mo 9. Nov 2009, 18:54
Geschlecht: vorhanden
Pronomen:
Membersuche/Plz: Leipzig
Hat sich bedankt: 221 Mal
Danksagung erhalten: 267 Mal

Re: Übergriffe auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof

Post 84 im Thema

Beitrag von conny » So 10. Jan 2016, 16:53

Veronika hat geschrieben: Die hochgelobte Pressefreiheit gibt es schon lange nicht mehr in Deutschland.
Es wird immer mehr versucht unangenehme Wahrheiten unter den Tisch zu kehren.
Die Presse kann zunächst in einem konkreten Fall nur das schreiben, was ihr von den Pressesprechern bzw. auf Pressekonferenzen mitgeteilt wird.
Dank der investigativen Pressearbeit, i.ü. gelegentlich auch von der BILD-Zeitung, gelingt es dabei auf Dauer eben nicht, unangenehme Wahrheiten unter dem Tisch zu halten (diese Versuche gab es aber schon immer).
Dafür gibt es bei uns eine ganze Reihe von Beispielen.
Wo ist in unserer Presselandschaft von Bild über Welt, Spiegel, Stern, Die Zeit, bis hin zu TAZ und Neues Deutschland (um nur einige zu nennen) die Pressefreiheit in Gefahr?

Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 13579
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: InterS
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Membersuche/Plz: 24977
Hat sich bedankt: 689 Mal
Danksagung erhalten: 5111 Mal
Gender:

Re: Übergriffe auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof

Post 85 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » So 10. Jan 2016, 20:04

Frauen gegen Gewalt: Stellungnahme zu den Übergriffen in der Silvesternacht

https://www.frauen-gegen-gewalt.de/nach ... t-309.html

Inga
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2695
Registriert: Mo 19. Jul 2010, 00:32
Pronomen:
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 413 Mal
Danksagung erhalten: 249 Mal

Re: Übergriffe auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof

Post 86 im Thema

Beitrag von Inga » So 10. Jan 2016, 23:24

Hi,

wenn ich die Diskussion in diesem Thread von Anfang an verfolge, hat sich in der Informationslage zu den Vorfällen zu Sylvester in Köln doch einiges getan.

Der Chef der Polizei in Köln ist von seinen Aufgaben entbunden, weil er die Öffentlichkeit offensichtlich falsch infomierte und die Lage weniger dramatisch darstellte als sie war. Auch hat er behauptet, es wäre keine Polizei vor Ort gewesen, war sie doch da gewesen und hatte schon vorher in der Menschenmenge umfangreiche Kontrollen gemacht und dabei auch einen hohen Anteil von Asylbeantragten fest gestellt. Es ist aber wohl nicht nachgewiesen, ob sie auch mit den sexuellen Übergriffen zu tun haben. So viele es im Augeschein sein mögen, im Verhältnis zu allen 2015 angekommenen und aufgenommenen Flüchtlingen sind es wenige. Die überwältigende Mehrheit der angekommenen Flüchtlingen fällt eben nicht unangenehm auf.

Die Nachrichten im Deutschlandfunk vermelden gerade, dass eine Forsa-Umfrage festgestellt hat, dass die grundsätzliche Einstellung zur Aufnahme der Flüchtlinge in der Bevölkerung troz der umfangreichen Berichterstattung der Gewaltexzesse in Köln sich nicht verändert hat. Gut so, mag ich sagen. Die Scharfmacher in der Politik finden mit ihrem "Zeichen setzen" offenbar nicht den Anklang in der Bevölkerung. Sorgen bereiten mir die Verallgemeinerungen in der Politik insoweit, als ob sie auf einen Anlass gewartet haben.

Lasst uns durch die Vorfälle in Köln und Hamburg und auch anderswo nicht verrückt machen. Lasst uns zwar mit offenen Augen, etwas Vorsicht und Augenmaß und vor allem mit langem Atem weiterhin in der Willkommenskultur bei Aufnahme und Integration der Flüchtlinge mitwirken. Die Mehrheit weiß es offenbar zu schätzen.

Liebe Grüße
Inga

Q-Chromosom
Beiträge: 18
Registriert: Sa 15. Aug 2015, 11:52
Geschlecht: ?
Pronomen:
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 4 Mal

Re: Übergriffe auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof

Post 87 im Thema

Beitrag von Q-Chromosom » Mo 11. Jan 2016, 01:33

Inga hat geschrieben: Auch hat er behauptet, es wäre keine Polizei vor Ort gewesen, war sie doch da gewesen und hatte schon vorher in der Menschenmenge umfangreiche Kontrollen gemacht und dabei auch einen hohen Anteil von Asylbeantragten fest gestellt. Es ist aber wohl nicht nachgewiesen, ob sie auch mit den sexuellen Übergriffen zu tun haben. [...]

Lasst uns zwar mit offenen Augen, etwas Vorsicht und Augenmaß und vor allem mit langem Atem weiterhin in der Willkommenskultur bei Aufnahme und Integration der Flüchtlinge mitwirken. Die Mehrheit weiß es offenbar zu schätzen.
Ich stelle mir bei D_ein_em Beitrag mehrere Fragen:
(ich halte forsa-umfragen übrigens nicht für sonderlich belastbar, aber das führt weg vom Thema.)
Menschen wollen Köpfe rollen sehen, wenn etwas schief läuft. Also rollt ein Kopf. Aber geändert hat das nichts. Das ist Symptombekämpfung. Das ist, wie... ein heißes Bad gegen die Bronchitis. Macht was für s Gefühl, aber nicht mehr.
Ich frage mich halt: Wer wird kontrolliert und aus welchen Gründen?
und warum ist das nicht Anlass über Verdachtsunabhängige Ausweiskontrollen zu diskutieren?
wo bleiben hier von all den weltoffenen Menschen die Leitfäden für Interventionen bei solchen Kontrollen?
Dass eben diese nach rassistischen Mustern ablaufen ist weitgehend bekannt. Warum wird diese Praxis nicht hinterfragt und bestraft und stattdessen -wie so oft in Presse- Verdächtige an den Pranger gestellt, obwohl in deutschland doch die Unschuldsvermutung gilt?
Warum wird stattdessen in mehreren Berichten nebenbei erwähnt, dass eben solche Kontrollen verschärft durchgeführt werden, ohne kritischex Kommentar? Warum?

In letzter Zeit habe ich so oft an Bahnhöfen gesehen -eigentlich jedes Mal wenn ich Bahn gereist bin- wie Personen von der Polizei "abgeführt" wurden (meistens Geflüchtete, bei manchen hatte ich aber keine Zeit zu fragen, war zu weit weg, oder habe keine Information erhalten.). Aus sehr unterschiedlichen Gründen. Es ist so leicht als Asylbewerberin, oder als Flüchtling Straftaten zu begehen... und es ist noch viel leichter kontrolliert zu werden.)... ich glaube da nicht mehr an zufällige Begegnungen. Da steckt cisthem hinter....

Verschärfte verdachtsunabhängige Ausweiskontrollen passen super ins augenblickliche gesellschaftliche Klima. Alle geben sich plötzlich tolerant und weltoffen (ohne eigene Rassismen zu hinterfragen.). Willkommenskultur. Und tatsächlich setzen auch Personen sich mit Asylrechten auseinander, die das vorher nicht getan haben. Das ist ja ganz nett.
Aber gleichzeitig gibt es Menschen, die CDU wählen, weil die ja angeblich so eine tolle wirschaftspolitik machen. Warum? Warum wird bei wirtschaftlichen Delikten eine Vertrauensfrage an Präsidenten gestellt, aber führende Politiker*innen dürfen (sogar ziemlich direkt) die Abschiebung krimineller Ausländer fordern, ohne dafür abgestraft zu werden? Seit wann ist das keine NPD-Parole mehr? Wollen wir wirklich, dass Menschen handeln, die andere Menschen wie Bürger*innen zweiter Klasse behandeln?
Wo blieb der Aufschrei gegen die Asylrechtsveränderungen letztes Jahr? (u.A. wiedereinführung von Abschiebehaft, heißt Haft ohne ein Verbrechen begangen zu haben und Einstufung von Balkanstaaten als sichere Herkunfstländer (was nur für bestimmte ethnische Gruppen der Realität entspricht))
Ja Ein Lächeln für Kleidung und Essen, dankbarkeit... engagement in erwartung einer gegenleistung, das war schon immer hoch im Kurs. White Charity... ach ich werde wieder zynisch.
und wessen Boot ist verdammt noch Mal voll?
sinnvolle Arbeit ist übrigens das was Gruppen, wie die machen. Strukturen aufbauen! Dokumentieren! Leben retten ohne ein Lächeln dafür zu verlangen.
http://reisegruppe4.blogsport.de/


Warum ist das mehr Anlass für eine Debatte um Geflüchtete, Presse und Rassismus, als für eine um Sexismen?
Liegt es daran, dass viel mehr Menschen sich dann selbst hinterfragen müssten, es so aber leicht ist, dies "den anderen" aufzutragen?
Wird hier kein aktueller Anlass gesehen und es als ein "kann man immer mal bearbeiten" Thema betrachtet?
Warum werden die Eigentumsdelikte so oft in Berichterstattungen höher gehängt, als die sexualisierte Gewalt?
Warum können Bücher die Vergewaltigungsmythen verbreiten in Deutschland ungestraft verkauft werden? (ich nenne keinen Titel, weil ich die Scheiße nicht reproduzieren möchte)
Wollen wir Menschen wirklich in eine sexisitische Gesellschaft integrieren? Und überhaupt was heißt Integration und was hat das mit willkommen und respekt zu tun?

und ich frage mich: Wie doof können Nazis noch werden? (siehe demonstration in Köln)

irgendwo ist immer schlimmer...
und ist wirklich alles gesagt?
"Without community there is no liberation
but community must not mean a shedding of our differences
nor the pathetic pretense that these differences don't exist." (Audre Lorde)

Lina
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 3563
Registriert: Di 25. Jan 2011, 00:34
Pronomen:
Membersuche/Plz: z.Zt. ------
Hat sich bedankt: 13 Mal
Danksagung erhalten: 360 Mal

Re: Übergriffe auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof

Post 88 im Thema

Beitrag von Lina » Mo 11. Jan 2016, 02:19

uta hat geschrieben:@Die hochgelobte Pressefreiheit gibt es schon lange nicht mehr in Deutschland.

Vielleicht ist das falsch ausgedrückt? Wenn man sich informieren will gibt es schon noch genug unabhängige Zeitungen. Aber durch die zusammengeschalteten Medienkonzerne ich denke da an Bild oder die Pro 7 oder RTL Gruppen entsteht schon der Eindruck einer gleichgeschalteten Medienlandschaft.
Man muß halt suchen und auch mal quer lesen ...

Zum Thema Demokratie könnte man hier Seiten füllen die einzige echte Demokratie finde ich ist die Schweiz.

Grüße u.

In der Schwei? Was glaubsgt du, dass Leute wie du in der Schweiz zu dem Thema sagen?
Was haben die Medienkonzerne, die du erwähnlst, damit zu tun, wenn es ums Verglechen geht. Die gab es ja nicht mal früher. Die waren praktisch verboten - OK es durfte die Geben, die durften nur keine Radio oder Fernsehsendungen in Deutschland machen. Also was ist das nun für einen Vergleich. Und die ganzen Kleinzeitungen - was hatten die, was du im gesamten Medienbild von heute nicht findest?

Hattesst du etwa über die die Möglichkeit innerhalb von Sekunden unbeschnitten oder ohne Kontrolle eines Chefredakteurs einige Tausend Lesern vorzujammern, we undemokratisch die Medien seien?

Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 13579
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: InterS
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Membersuche/Plz: 24977
Hat sich bedankt: 689 Mal
Danksagung erhalten: 5111 Mal
Gender:

Re: Übergriffe auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof

Post 89 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Mo 11. Jan 2016, 20:16

#ausnahmslos: Der Aufschrei nach Köln

Gegen Sexismus, aber genauso sehr gegen Rassismus: Feministinnen der #aufschrei-Initiative haben nach den Ereignissen von Köln eine neue Kampagne ausgerufen - die sich im Eiltempo verbreitet.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/ausn ... 71504.html

Gruß
Anne-Mette

Magdalena
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 1230
Registriert: Di 4. Feb 2014, 10:17
Geschlecht: mehr Frau als Mann
Pronomen:
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 655 Mal
Danksagung erhalten: 561 Mal
Gender:

Re: Übergriffe auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof

Post 90 im Thema

Beitrag von Magdalena » Di 12. Jan 2016, 12:19

Hallo zusammen,

immer neue Erkenntnisse dringe an die Öffentlichkeit. Und vorschnell werden Schlüsse gezogen. Ich kann nur von der Situation bei mir in Sachsen beitragen. Zur Zeit läuft eine Kampanie zur Errichtung einer Wachplolizei. In einer dreimonatigen Ausbildung sollen Wachpolizisten herangezogen werden, um die eigentlichen Polizisten zu entlasten. Polizisten, die zur Zeit fehlen, weil sie Asylunterkünfte schützen müssen. Nun stelle ich mir die Frage, war es nicht absehbar, dass Personal fehlt. Oder wollte man die Bevölkerung nicht verunsichern und meinte alles im Griff zu haben. So sehe ich manchen Politiker und auch Polizeioberen als Getrieben, der einerseits seinem Dienstherrn verpflichtet ist(Personalabbau, Kosten, politischen Willen). Auf der anderne Seite das Opfer, wenn die Lage sich verschärft(Personalmangel, veraltete Technik, öffentliches Interesse).

Viele Grüße Magdalena
Lebe jeden Tag.

Antworten

Zurück zu „Missbrauch/sexualisierte Gewalt/Hassverbrechen“