Crossdressing als integrativer Bestandteil des Alltages

Für den überwiegenden Teil der Crossdresser ist das Crossdressing nicht Bestandteil des Alltages, sondern einzeln für sich gelebte Handlung. Viele Crossdresser machen das in einem geschützten Bereich oder sogar völlig heimlich. Damit verbunden ist häufig das Schaffen einer neuen Person, eines zweiten ICH. Diese neu geschaffene Frau bekommt einen eigenen Namen und kann völlig andere Interessen haben als der Mann, der dahinter steckt.

Mir geht es da anders; ich sehe mich mehr als eine Person mit mehreren Facetten - in beiden Geschlechtern.

Sicherlich gibt es einige Berufe, in denen das Anders-Sein eher toleriert wird oder sogar anerkannte Ausdrucksform ist. Die Regel wird jedoch sein, dass gerade in typisch männlichen Berufen ein "Crossdressing am Arbeitsplatz" nicht möglich ist. In einigen Firmen, z.B. Banken gibt es feste Kleiderordnungen, die kaum einen Raum für Abweichungen geben.

Wie sieht es nun in meinem Alltag aus, wie lässt sich Crossdressing integrieren? Da die Erfahrungen sich ständig erweitern, wird diese Seite regelmäßig aktualisiert.

Seit Anfang 2012

Das Alltagsleben hat sich weiter ohne Einschränkungen fortgesetzt. Eine gute Vernetzung mit einigen Gruppen hat sich ergeben. Das Forum bietet eine Vielzahl an Informationen und spannende Diskussionen.

Stand Frühjahr 2009

In den letzten Tagen gab es einige Rückmeldungen; dabei überwogen die positiven. Ich wurde von Frauen angesprochen, bzw. meine Frau wurde angesprochen: "Wo haben Sie den denn her, das finde ich ja toll!"
Ich glaube, viele Leute haben sich an mich gewöhnt. Allerdings habe ich nie andere Crossdresser gesehen, obwohl es doch einige geben müsste...

Stand September 2008

Bei den meisten Alltagshandlungen brauche ich auf das Crossdressing nicht zu verzichten. Meine Umwelt scheint sich daran gewöhnt zu haben. Inzwischen gehe ich auch so in den Supermarkt. Natürlich könnte ich mal jemanden treffen, der sich an meinem Aufzug stört, könnte ich z.B. Verwandte oder Bekannte treffen, die ungewöhnlich reagieren. Früher war das so mit den lackierten Finger- und Fußnägeln. Ich habe manchmal überlegt, was wohl Leute sagen würden, die ich kenne. Auffällige Äußerungen sind recht selten gewesen. Heute ist mir das so alltäglich, dass ich überhaupt keinen Gedanken daran verschwenden muss, also nicht den leisesten Anflug von Angst habe, was andere Leute wohl über die Fuß- oder Fingernägel denken.
Mit den Röcken wird es sich ähnlich verhalten. Das Tragen der Röcke ist mir schon fast selbstverständlich geworden. Nachdem ich einige praktische Röcke - mit Taschen - bekommen habe, klappt es sogar recht gut mit dem Einkaufen, bringe ich Geldbörse, Schlüssel usw. unter.

Wie hat sich meine Persönlichkeit verändert? Bin ich anders geworden? Ich denke, ich bin immer noch derjenige, der ich vor einigen Monaten gewesen bin. Ich bin offener, betrachte mich aber immer noch als "Grenzgänger" zwischen den Geschlechtern. Das merke ich besonders, wenn über Beziehungsprobleme diskutiert wird. Vieles sehe ich "mit Frauenaugen".
Andererseits bin ich aber immer noch am Basteln und Tüfteln und repariere unser Auto genau wie unseren Rasenmäher - den ich dann auch gleich testen durfte.

Dabei stellt sich mir dann auch die Frage: "wer bin ich eigentlich, wo will ich hin, welcher Gruppe bin ich zugehörig?"
Oder bin ich keiner Gruppe zugehörig?
Bin ich Crossdresser oder Transgender? Die Grenzen sind sicherlich fließend und ich will mich nun nicht auch noch an einer Deutung oder Definition versuchen, es gibt schon viele in Buchform oder im Internet. Die Phase des Suchens, des Findens der richtigen Position wird sicherlich bei mir auch noch andauern. Sollte ich vielleicht sagen: "Ich bin eben ich - und ich (ver)wandle mich genau so wie es viele andere Menschen tun".

Immer wieder wird die Frauen-Männer-Diskussion wieder angestoßen, zum Beispiel in "Spiegel" und "Focus".
>>Die Biologie des Erfolgs<<

"Warum Frauen nach Glück streben - und Männer nach Geld"
Das ist das Titelthema des neuen Spiegels. Wenn das stimmt, dann stehe ich "zwischen den Linien", strebe ich doch nach Glück (vorrangig) aber auch nach Geld (zum Leben notwendig).

Beides Streben war bisher nicht so überzeugend erfolgreich; vielleicht liegt es daran, dass meine männlichen und weiblichen Eigenschaften gleich stark ausgeprägt sind und sich gegenseitig behindern?

Aber es muss nicht so sein, schließlich gibt es genug unglückliche Frauen und arme Männer

Das Ganze geht wohl auf die Untersuchungen der Psychologin Susan Pinker zurück. Hier ein Link zu einem "Focus"-Titel, der sich auch mit dem Thema beschäftigt:

http://www.focus.de/jobs/karriere/tid-9748/geschlechter-sie-koennten-doch-sie-wollen-nicht_aid_268709.html

Anderes Thema - Ich habe eine interessaten Seite gefunden: 
Frau mit Bart
Bart oder nicht Bart? - Wie ergeht es mir wenn ich mich sein lasse wie ich bin.
http://fraumitbart.wordpress.com/

die bestärkt mich darin, meinen Bart (vorerst) zu behalten. Ich schrieb schon an anderer Stelle, dass ich mich nicht als mehrere Personen sehe, sondern als eine. Ich verkleide mich auch nicht mit den Frauensachen, sondern sie gehören zu mir.

Wenn es zu Konflikten kommt, erlebe ich in meiner Umgebung, dass das Tragen der Röcke als "Hilfsmittel" herbeigeholt wird als Begründung für eigenes (Fehl)Verhalten, um dann sagen zu können: "Du trägst ja auch als Mann einen Rock, dann... ". Es ist natürlich extra zu besprechen, ob und in welchem Maße die Familie das Crossdressing akzeptiert und hat mit vielen anderen Problematiken nichts zu tun. Die Reaktion bedeutet jedoch, dass ein Akzeptieren überlagert wird von dem Empfinden, dass es eben nichts "normales" ist, als Mann einen Rock zu tragen.
Ich erlebe auch, dass unsere Kinder unterschiedlich darauf reagieren. Gerade der Jüngste zeigt manchmal recht heftige Reaktionen, aber die zeigt er auch anderen Erwachsenen gegenüber - und das war schon vor meinem Crossdressing so.
Für sich nimmt er aber selbstverständlich in Anspruch, dass das, wie er sich gibt und kleidet, der Dreh- und Angelpunkt ist.
Die beiden älteren Jungs sehen das etwas entspannter und können mehr an der Sache diskutieren, wenn es mal zu Meinungsverschiedenheiten kommt. Meine Frau akzeptiert mein Crossdressing immer noch, kann aber leichter damit umgehen, wenn die Röcke, die ich trage, "schön sportlich sind, die stehen Dir richtig", sagte sie mir schon häufig. Außerdem ist sie Nutznießerin, da wir fast die gleiche Größe haben und uns austauschen.

Crossdressing im Urlaub

Das ist sicherlich für viele sehr reizvoll: sich längere Zeit in Frauenkleidung "frei bewegen", keine Fragen oder Bemerkungen von Nachbarn oder Kollegen...
Ich denke mal, dass die Durchführbarkeit stark abhängig vom Urlaubsort ist. Was in einem dänischen Ferienhaus sicherlich keine Probleme macht, könnte in einm kleinen spanischen oder italienischen Bergdorf oder in der Türkei sicherlich sehr schwierig sein.
Weiterhin könnten in anderen Ländern andere Gesetze gelten und u.U. das Tragen von Frauenkleidung für Männer verboten sein. Auch könnte man das religiöse und sittliche Empfinden der Menschen stören.
... oder aggressive Verhaltensweisen hervorrufen.

Wenn die äußeren Umstände es erlauben, ist Crossdressing im Urlaub sicherlich eine sehr geeignete Form, mal längere Zeit in Frauenkleidern aufzutreten und auch den alltäglichen Umgang damit auszuprobieren. Man erspart sich eine Menge Hektik und kann entspannter mit den eigenen Wünschen und Bedürfnissen umgehen.

Leicht lässt sich auch der "Gebrauchswert" der bisher angeschafften Kleidung erproben. Ein längerer Spaziergang im Rock kann sehr angenehm sein; das längere Tragen von unbequemen, aber gut aussehenden Schuhen kann eine Qual sein.

Wie möchte ich im Urlaub wahrgenommen werden? Möchte ich gleich mein "Fähnchen" mit der richtigen Aufschrift vorantragen? Gestern sah ich in einem Laden einen stämmigen Mann in kurzen Hosen und T-Shirt. Auf seinem Shirt stand "LAGERLEITER". Da gibt es natürlich keine Missverständnisse ;-)

Ich möchte gern als Person anerkannt werden, nicht vorrangig als Crossdresser. Natürlich freut es mich, wenn freundliche Reaktionen erfolgen, aber das ist nicht vorrangige Absicht meines Auftretens.

Unsere dänischen Nachbarn haben wohl einen ähnlichen Stand wie wir hier. Wer mal gucken möchte - hier ist ein Link http://hjem.get2net.dk/intuitive/skoert.htm

- nicht gerade auf dem neuesten Stand, aber ich bin durch einen Artikel der Seite auf die Hauptseite gelangt.

In manchen Ländern gibt es ein Modediktat

Aus einer dänischen Nachricht.Den nordkoreanske diktator Kim Jong Il har indført nye moderegler for landets indbyggere. Det skriver "Der Spiegel".
Mens de nordkoreanske kvinder skal have kjole på, når de viser sig offentligt, og ikke må vise bare arme eller tæer...
Inhalt sinngemäß: in Nordkorea dürfen Frauen in der Öffentlichkeit keine Hosen tragen, sondern Kleider. So geht es vielen Männern bei uns auch - nur, dass sie keine Röcke oder Kleider tragen dürfen (eigentlich). Also: lassen jedenfalls wir uns das bei uns geltende Diktat nicht gefallen!

Der Ist-Zustand im Frühjahr/Sommer 2008

Was gibt es Neues - werde ich oft gefragt. Es gibt nicht immer Neues, manchmal ist alles mehr oder weniger auf einem guten Weg ohne umwälzende Neuerungen. Crossdressing hat sich tatsächlich in meinen Alltag integriert, ist Teil meines jetzigen Lebens geworden. Dabei wurde sicherlich schon vor längerer Zeit der Grundstein gelegt.

Ich lackiere mir schon seit Jahren Finger- und Fußnägel. Da ich meistens in offenen Sandalen unterwegs bin, ist das deutlich zu sehen. Negative Rückmeldungen habe ich bisher kaum erfahren.
Ich besitze inzwischen einige Röcke, Unterwäsche und Schuhe. Jeden Morgen nach dem Einkaufen - dazu ziehe ich allerdings eine Hose an, ist praktischer wegen Geldbörse und so - ziehe ich einen Rock an. Bis auf ganz seltene Ausnahmen behalte ich den an bis zum Abend - manchmal wird sogar noch einmal gewechselt zu einem Feierabend-Rock.

Die Leute, die tagsüber kommen, empfange ich so, wie ich bin. Es kommen Lieferanten, Postleute und Besucher meiner Kinder. Probleme gab es bisher nicht. Auch intensive Nachfragen bei meinen Kindern förderten keine negativen Reaktionen von anderen zu Tage.
Wenn ich nachmittags noch einmal zur Post fahre oder noch etwas erledigen muss, habe ich bisher eine Hose angezogen, das wird sich aber ändern.

Das Auftreten in der Öfentlichkeit beschränkt sich bisher auf den Garten - oder auf gelegentliche Fahrten mit dem Auto, z.B. beim Abholen der Kinder. Es wird jedoch zu einer Ausweitung kommen. Die Erfahrungen werde ich hier dokumentieren.

Beim "Girls Day", dem Kennenlernen von Männerberufen für Mädchen und den inzwischen ins Leben gerufenen parallelen Veranstaltungen für Jungen werden Grundsteine gelegt, immerhin wichtige berufliche Aspekte des anderen Geschlechtes - so sie denn noch als geschlechtsspezifische Berufe zu sehen sind - kennenzulernen. Aber wie sieht es mit dem privaten Alltag aus, sind Menschen bereit, auch hier Grenzen zu überschreiten oder zumindest Grenzbereiche anzusehen?
Die variable Aufgabenverteilungen in den meisten Familien haben gezeigt, dass Männer sich sehr wohl geändert haben, indem sie sich an den früher nur den Frauen zugeschriebenen Pflegearbeiten nicht nur beteiligen, sondern teilweise einen gerechten Anteil übernehmen.
Zitat aus dem vaeter-netz:
"Heute erleben etwa 90 Prozent aller Väter in den deutschsprachigen Ländern die Geburt ihres Kindes mit", sagt der Psychologe Harald Werneck von der Universität Wien. Für ihn eines der Indizien dafür, dass es einen anderen Typ von Vätern gibt: "Neue Väter", die sich um die Pflege und Erziehung auch der allerkleinsten Kinder kümmern oder zumindest kümmern wollen."
Die Mutter ist "die von der Natur dafür vorbestimmte primäre Bezugsperson von Säuglingen und Kleinkindern", hieß es noch 1951 in einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO..."

Aber wie weit hat sich die Änderung des familiären Rollenverhaltens als begünstigender Einfluss erwiesen, den Beteiligten alternative Lebens- und Auslebensformen wie z.B. "Crossdressing" zu erlauben? Was ist an Offenheit in einer Beziehung vorauszusetzen, um ein Crossdressing nicht nur als "erlaubte einzelne Handlung" wie z.B. ein Kinobesuch oder ein Abend mit Freunden oder Arbeitskollegen sondern als Teil des Alltages und Teil der Beziehung zu leben?
Welche Auswirkungen hat das auf Paar-relevante Themen? Welche Auswirkungen hat das auf Sexualität? Welche Auswirkungen hat das auf nachbarschaftliche- und Gruppenbeziehungen?

Interessant dürften auch die Ergebnisse der Frauen- und Geschlechterforschung sein. Wie kann sich ein "soziales Geschlecht" vom biologischen Geschlecht unterscheiden? Wer bewertet, was richtig männlich und richtig weiblich ist?

Die Gruppen, mit denen ich zu tun habe, zeichnen sich durch eine sehr unterschiedliche Toleranz aus. Als wir neulich am FKK-Strand waren, erwartete ich eigentlich keine negativen Kommentare, zeigt die Strandgemeinde im Allgemeinen freundliches Miteinander und Toleranz. Nie habe ich dort gehört, dass jemand Gold- oder Siberringe an intimen Stellen, besondere Haarschnitte usw. "lautstark bemerkt" hätte. Als ich nun am Sonntag meinen kurzen Jeansrock an hatte, der meiner kurzen Jeanshose so ähnlich sieht, dass meine Frau zunächst gar nicht bemerkt hatte, dass ich einen Rock trug, war das etwas anders.
In einiger Entfernung musste einer der Anwesenden recht lautstarkt über die Vererbungslehre und über "männlich" und "weiblich" sprechen und auch darüber, "dass er froh ist, dass bei ihm die Erbanlagen sehr eindeutig sind". Schön für ihn, aber ich empfinde meine Veranlagung nicht als nachteilig, sondern eher als Vorteil. Ich frage mich allerdings, warum man das so laut über den Strand dozieren muss. Ich habe über seinen Kugelbauch und seine wenigen Haare auch kein Wort verloren...
Die anderen Leute haben sich ganz neutral verhalten. Es hat mich zwar keiner gelobt - warum auch - aber weitere Kommentare gab es nicht, auch nicht bei unserem Aufbruch und Heimweg.
Gestern beim Weg zur Post hatte ich den gleichen Rock an, weil ich es blöd gefunden hätte, mich extra umzuziehen. Dort gab es keine Reaktionen, obwohl ich die Leute gut kenne. Ich habe sie aber auch nich gefragt.
Abends auf einer offiziellen Sitzung in der Schule habe ich mich jedoch "angemessen" angezogen.

Neulich gab es den ersten richtigen Konflikt. Unser Jüngster meinte, ich wäre peinlich, dass ich SO rausgehe. Meine Entgegnung, dass sein Outfit ja auch etwas gewöhnungsbedürftig wäre, konterte er mit "ist jedenfalls modisch".
Letztendlch hatte das aber nichts mit dem eigentlichen Konflikt zu tun. Trotzdem werde ich das im Auge behalten, wie mit den Kindern umgegangen werden muss. Er ist nur im Moment in einem Alter, wo ALLES, was von Eltern und/oder Lehrern kommt, blöd ist. Da werde ich mit ihm nicht ruhig über die Beweggründe für das Crossdressing sprechen können.
Wenn ich mir sicher sein könnte, dass es mit ihm besser geht, wenn ich mich nicht so kleide, würde ich u.U. darauf verzichten(?) - aber ich denke nicht, dass das Crossdressing der Hauptgrund für die Konflikte ist.

Nachdem ich die Gruppe der Jugendlichen heute wirder in ihrem modischen Outfit gesehen habe, weiß ich, dass ich mich nicht verstecken werde.

Meinungen dazu bitte im Crossdresser-Forum

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